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Veganer töten bei der Ernte noch mehr Tiere als Fleischesser – Stimmt das?

Haben Veganer mehr Tiere auf dem Gewissen als Fleischesser?

Töten Veganer:innen wirklich mehr Tiere als Fleischesser:innen? Wenn du eine klare Antwort auf diese Frage suchst, bist hier genau richtig! Tatsächlich höre ich den Spruch häufiger, seit ich vegan lebe. Der Hintergrund dieser Aussage ist, dass bei der Ernte von pflanzlichen Lebensmitteln ja auch Tiere ums Leben kommen. Doch sterben deshalb für pflanzliche Mahlzeiten auch wirklich mehr Tiere, als für Fleisch und andere tierische Produkte?

In diesem Artikel habe ich das Argument „Veganer:innen töten mehr Tiere“ genauer geprüft. Du erfährst, ob und wie viele Tiere bei der Ernte von Pflanzen sterben und wo der wirklich relevante Unterschied liegt. Auf geht's!

Werden bei der Ernte von Pflanzen wirklich Tiere getötet?

Rehkitz - Veganer töten mehr Tiere als Fleischfresser
Es lässt sich leider noch nicht vollständig verhindern, dass sich noch Rehkitze auf Erntefeldern befinden

Durch die Ausbringung giftiger Pestizide auf Feldern sterben Insekten – und bei der Ernte auf dem Feld oder dem Abmähen von Wiesen kann es vorkommen, dass Tiere durch Landmaschinen verletzt oder getötet werden. Rehe, Füchse, Hasen, Rebhühner, Feldmäuse oder Frösche zum Beispiel.

Der NABU schätzt, dass auf diese Weise jährlich etwa 500.000 Wildtiere zu Schaden kommen.1

Doch glücklicherweise gibt große Potentiale und effektive Maßnahmen, um Rehkitze und andere Wildtiere, die sich im hohen Gras, Getreide oder Mais verstecken, zu schützen. Hier stelle ich dir kurz einige von ihnen vor:

  • Von innen nach außen Mähen, sodass Tiere wesentlich besser flüchten können.
  • Brachflächen lassen, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden, damit Wildtiere auch dort Nahrung und Unterschlupf finden.
  • Unmittelbar nach der Getreideernte pflügen, sodass kein Stoppelfeld bleibt, in dem sich vor allem Feldhamster, Lerchen oder Rebhühner wohl fühlen.
  • Infrarotdetektoren und Drohnen einsetzen, um Tiere über ihre abstrahlende Wärme zu identifizieren und zu retten.
  • Laute Geräusche an den Tagen vor der Ernte machen, zum Beispiel durch knisternde Müllbeutel, Blechdosen oder Flatterband am Feldrand.
  • Jäger:innen mit Hunden durchs Feld gehen lassen, bevor die Erntezeit beginnt.

Mit solchen und vielen weiteren Maßnahmen lässt sich das unbeabsichtigte Tierleid bei der Ernte in Zukunft effektiv minimieren. Schlussendlich haben auch alle etwas davon, wenn Landwirt:innen sich diese Mühe machen. Die Tiere, die Umwelt und natürlich auch sie selbst, da der Ernteertrag ansonsten auch unter dem Artensterben leidet.

3 Gründe, warum „Veganer töten mehr Tiere“ ein scheinheiliges Argument ist

Töten Veganer wirklich mehr Tiere als Fleischfresser?
Ein männliches Kälbchen beim Abtransport zum Schlachthaus / © PETA Deutschland e.V.

Für pflanzliche Lebensmittel werden also viele Wildtiere verletzt oder getötet. Doch wir müssen ja irgendetwas essen. Die genannten Zahlen sind aber zweifelsohne eine bedenkliche Tatsache. Doch glücklicherweise gibt es viele Lösungen, mit denen sich das Tierleid auf dem Acker zukünftig noch deutlich reduzieren lässt.

Wir halten fest: Bis hierhin würde zumindest das Argument „Veganer töten AUCH Tiere“ durchaus einen Sinn ergeben.

Jetzt möchte ich dir kurz und knapp zeigen, warum die Diskussion am Ende eigentlich nur eine schwache und irgendwie auch dreiste Ausrede dafür ist, einfach weiter Fleisch zu essen.

Weil Fleischesser viel mehr Tiere töten, als Veganer

Allein bei uns in Deutschland werden in Schlachthäusern laut Statistischem Bundesamt jedes Jahr 56,2 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde sowie 668,7 Millionen Hühner, Puten und Enten geschlachtet.

Den leider etwa 500.000 verletzten oder getöteten Wildtieren bei der Ernte stehen also per se schon wirklich brutale, reale, genaue Zahlen aus der Massentierhaltung gegenüber. Doch damit nicht genug!

Denn zum einen essen ja auch Fleischesser:innen pflanzliche Lebensmittel (in der Regel als Beilage zum Fleisch), sodass sie ebenfalls zu den im Ernteprozess verletzten Tieren beitragen.

Und zum anderen muss auch das pflanzliche Tierfutter angebaut und geerntet werden. Mehr als 83 Prozent aller landwirtschaftlich genutzten Flächen dienen entweder als Weideland oder zum Anbau von Getreide und Soja, also von Futtermitteln für Nutztiere auf der ganzen Welt.2

Um den Platz dafür zu schaffen, wird außerdem rasant Regenwald abgeholzt. Wie viele Tiere für den Tierfutteranbau und die Erzeugung von Weideflächen am Ende genau verletzt werden oder verenden, lässt sich nur vermuten. Doch allein diese Zahl dürfte 500.000 aber um ein Vielfaches übersteigen.

Alles in allem können wir eindeutig festhalten, dass fleischessende Menschen und übrigens auch Vegetarier:innen, ganz eindeutig mehr Tiere töten (lassen), als Veganer:innen.

Tipp: Warum auch für vegetarische Lebensmittel wie Milch oder Eier Tiere sterben müssen, erläutere ich dir gern im Artikel „Reicht vegetarisch?“.

Weil Veganer Tiere unbeabsichtigt töten, Fleischesser jedoch bewusst

Veganer:innen töten auch Tiere – der deutliche Unterschied liegt allerdings darin, dass sie es unbeabsichtigt tun. Irgendwas müssen wir Menschen essen – und leider hat man keine vollständige Kontrolle darüber, wie sich Wildtiere in Feldern und bei der Ernte verhalten. Dennoch gibt es Mittel, Wege und Bemühungen, um das Tierleid auf ein Minimum zu reduzieren.

Als Fleischesser:in tötet man hingegen wissentlich Tiere. Schließlich ist es Grundvorraussetzung, dass ein Tier sterben muss, um Fleisch auf dem Teller zu haben. Auch wenn sie das Tier nicht mit den eigenen Händen töten, bezahlen „Fleischfans“ (über den Produktpreis) dafür, dass es jemand anders für sie erledigt. Das ist die bittere Realität.

Weil es hier nicht um Perfektion geht

Das Argument „Veganer:innen töten AUCH Tiere“ suggeriert, dass man ja auch nicht perfekt ist, nur weil man vegan lebt. Doch es geht hier nicht um Perfektion, sondern darum, Tierleid nach und nach zu reduzieren. Der Veganismus ist eine Herzensangelegenheit, die versucht, die Ausbeutung und das Leid von Tieren – soweit wie praktisch umsetzbar – zu vermeiden.

Und Tierleid bei der Ernte lässt sich nun einmal leider nicht vollständig verhindern. Doch das rechtfertigt natürlich gar nicht, dass man weiterhin direkt Geld für Tierleid ausgibt.

Jeder von uns – egal ob Fleischesser:in, Vegetarier:in oder Veganer:in – würde wohl von sich behaupten, dass sie/er gegen Tierquälerei ist und Tierleid verabscheut. Doch nur wenige Handeln auch so, wie ihre moralische Haltung tatsächlich ist. Tiere zu lieben und gleichzeitig Fleisch zu essen, passt jedenfalls wirklich nicht zusammen.

Anstatt also den „Fehler“ bei Veganer:innen zu suchen, sollte man lieber der Realität ins Auge blicken und das eigene Verhalten anpassen, um im Einklang mit den eigenen Werten zu leben, wenn man diesen unangenehmen, inneren Konflikt (kognitive Dissonanz) verspürt.

Tipp: Warum ich persönlich vegan lebe, erläutere ich dir ganz genau im verlinkten Blogbeitrag. Wenn es dich interessiert, schau auch dort gerne mal rein!

Drei vegane Burger ohne tierisches Fleisch

Lieber vegan, als Tiere absichtlich töten lassen

Am Ende kann ich das Argument „Veganer töten mehr Tiere“ bei den irrtümlichen Vorurteilen gegenüber Veganer:innen einordnen, da die Aussage nicht einmal ansatzweise der Wahrheit entspricht. Sie bestätigt vielmehr, dass sich dein Gegenüber bisher noch nie mit der veganen Philosophie oder der rein pflanzlichen Ernährungsweise auseinandergesetzt hat.

Mich persönlich stört aber auch der Vergleich an sich. Jeder sollte auf sein Herz hören und das tun, was sich richtig anfühlt, anstatt die Fehler bei anderen zu suchen.

Wenn auch dir ein Tierleben wichtiger ist, als dein Geschmack, gebe ich dir im weiterführenden Artikel vegan Leben gerne alles Wissenswerte an die Hand, was du für einen guten Start brauchst.

„Ich bin das Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

Albert Schweitzer (mehr unter Vegan Zitate)

Ich hoffe, dass ich Licht ins Dunkle bringen konnte und wünsche mir, dass wir alle offener für Veränderungen und Neues werden. Und dass wir Tiere als das behandeln, was sie sind: fühlende Lebewesen, wie du und ich.

Hast du Fragen oder Anregungen zum Argument „Veganer töten mehr Tiere“? Dann schreib mir gern einen Kommentar unter diesen Artikel.

Bleib‘ tierfreundlich,

Christoph von CareElite - Plastikfrei leben

PS: Ich würde schätzen, dass niemand von uns mit dem Praktiken der industriellen Tierhaltung einverstanden ist. Wie wir alle gemeinsam die Massentierhaltung stoppen können, erfährst du jetzt als Nächstes im verlinkten Blogbeitrag.

Quellenangaben

  1. B. Jungwirth: Ernte als Gefahr für Wildtiere (Stand: 05.10.2014), abrufbar unter https://www.schwaebische.de/regional/biberach/riedlingen/ernte-als-gefahr-fuer-wildtiere-752729. [25.01.2024]. ↩︎
  2. J. Poore, T. Nemecek (2018): Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers, abrufbar unter https://www.science.org/doi/10.1126/science.aaq0216. [25.01.2024]. ↩︎
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Christoph Schulz

Christoph Schulz

Ich bin Christoph, Umweltwissenschaftler und Autor - und setze mich hier bei CareElite gegen den Plastikmüll in der Umwelt, den Klimawandel und alle anderen großen Umweltprobleme unserer Zeit ein. Gemeinsam mit weiteren, umweltbewussten Bloggern will ich dir Tipps & Tricks für ein natürlich-gesundes, nachhaltiges Leben sowie deine persönliche Weiterentwicklung an die Hand geben.

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