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Warum tragen Veganer kein Leder? 10 Gründe dafür, auf Lederwaren zu verzichten

Warum tragen Veganer kein Leder?

Du willst wissen, warum Veganer kein Leder tragen? Dann bist du hier genau richtig! Die Laufstege und Schaufenster dieser Welt sind voll mit Lederwaren. Lederjacken, Ledergürtel – oder Hosen, Mäntel, Handschuhe und Handtaschen aus echtem Leder. Sogar Leinen für Hunde und Sattel für Pferde bestehen oft aus der Haut von Kühen und anderen Tieren. Doch was ist so schlimm daran? Ist Leder nicht sowieso ein Co-Produkt aus der Massentierhaltung, das so oder so anfällt?

In diesem Artikel möchte ich dir jetzt zeigen, warum Veganer auf Leder verzichten und was genau an dem Material eigentlich so bedenklich ist. Auf geht's!

Vorab findest du hier wie immer ein kurzes Inhaltsverzeichnis über den Artikel:

  1. Leder ist mehr als „nur“ ein Abfallprodukt der Fleischindustrie
  2. Den Tieren blüht das übliche Schicksal der Massentierhaltung
  3. Nicht nur Kühe müssen für Echtleder leiden
  4. Der Gerbungsprozess ist extrem umweltbelastend
  5. Ungewissheit über die Herkunft des Materials
  6. In der Produktion müssen auch Menschen leiden
  7. Die pflanzliche Gerbung ist nicht massentauglich
  8. Das Tragen von Leder suggeriert die Akzeptanz von Tierausbeutung
  9. Leder ist kein lebensnotwendiges Material für uns Menschen
  10. Es gibt unzählige vegane Leder-Alternativen

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es gibt natürlich Veganer, die ihre alte Lederkleidung sinnvollerweise weiterhin tragen, bis sie kaputt ist. Sich aber neue Kleidungsstücke aus Echtleder zu kaufen, wäre eine inkonsequente, nicht-vegane Handlung. Glücklicherweise gibt es aber auch veganes Leder, sodass niemand auf irgendetwas verzichten muss. 😉

1. Weil Leder mehr als „nur“ ein Abfallprodukt der Fleischindustrie ist

Die Haut von Kühen als Nebenprodukt der Fleischindustrie / © PETA Deutschland e.V.
Die Haut von Kühen als Nebenprodukt der Fleischindustrie / © PETA Deutschland e.V.

Leder wird oft aus der Haut von Rindern hergestellt, die primär für ihr Fleisch und ihre Milch gezüchtet wurden. Es ist also zumeistein Nebenprodukt der Fleischindustrie, weshalb viele Menschen es für ein nachhaltiges und ethisch-vertretbares Material halten.

Doch zum einen ist es ein tierausbeutendes System, bei dem Kühe beispielsweise künstlich geschwängert unter Schmerzen enthornt werden. Ein System, das man durch den Kauf von Lederwaren mitfinanziert. Und zum anderen werden viele Tiere auch ausschließlich dafür getötet, um ihre Haut zu ertragreichem Leder zu verarbeiten. So oder so gibt es keine echte Handtasche und auch keine Jacke aus Echtleder, ohne den Tod eines Tieres – und genau deshalb verzichten Veganer eben einfach auf Leder.

2. Weil den Tieren das übliche Schicksal der Massentierhaltung blüht

Kühe werden in der Massentierhaltung erst für ihr Fleisch und ihre Milch ausgebeutet und anschließend getötet. Ihre Haut wird dann zu Leder verarbeitet. Darunter fallen auch männliche Kälbchen, die für die Industrie nicht wirtschaftlich sind und deshalb schon kurz nach ihrer Geburt zu Kalbsleder verarbeitet werden. Den weiblichen Kälbern droht das Schicksal ihrer Mütter als Milchkuh, bevor man sie dann ebenfalls tötet.

3. Weil nicht nur Kühe für Echtleder leiden müssen

Schlangenleder auf einer Farm in Vietnam
Abgezogene Schlangenhaut in einer Lederfarm in Vietnam © PETA Deutschland e.V.

Für Leder werden beispielsweise jährlich allein etwa 1,4 Milliarden Kühe, Wasserbüffel, Schafe, Ziegen, Kängurus und Schweine gequält und getötet.₁ Ähnlich geht es auch exotischen Tieren, wie Schlangen, Alligatoren oder Gürteltieren, die in der Regel sogar ausschließlich für ihre Haut gehalten und umgebracht werden.

In den USA gab es einen riesigen Aufschrei, als Lederwaren aus China als Kuhhaut deklariert und exportiert wurden, es sich in Wahrheit aber um die Haut von Hunden handelte.₂ Doch wenn man ehrlich ist: wo ist der Unterschied zwischen Kuh- und Hundehaut? Obwohl Kühe genauso Freude und Schmerz empfinden, wie Hunde und Katzen auch, scheint es niemanden zu stören. Diese moralische Differenzierung nennt man Speziesismus.

Also: warum unternehmen wir nicht einfach etwas für den Schutz beider Tiere? Veganer sind dahingehend konsequent und schätzen das Leben aller Tiere, weshalb sie dementsprechend auch kein Leder tragen.

4. Weil der Gerbungsprozess extrem umweltbelastend ist

Die Global Fashion Agenda, das international führende Forum für Nachhaltigkeit in der Mode, hat ermittelt, dass Leder das am wenigsten nachhaltige Material für Kleidung ist. Schon syntethisches Leder ist etwa halb so umweltbelastend, wie Echtleder.₃

Es ist vor allem der enorme Verbrauch natürlicher Ressourcen, der die Lederindustrie auch aus ökologischer Sicht höchstbedenklich macht. Nicht zuletzt, vergiften die Abwässer aus der Gerberei mit Chrom, Haaren, Salzen, Sulfiden, Säuren und Arsen umliegende Gewässer.

Wirklich nachhaltig wäre es, wenn sich die Haut der Tiere auf natürliche Weise abbauen kann. Wenn uns Ethik und Nachhaltigkeit aber tatsächlich so wichtig wären, würden wir die Tiere gar nicht erst für Fleisch, Milch und Leder züchten. Auch deshalb tragen Veganer kein Leder.

5. Weil Ungewissheit über die Herkunft herrscht

Wenn „Made in Germany“ oder „Made in Italy“ auf den Labels von Lederwaren zu sehen ist, ist das keine Garantie für ein eventuell möglichst umweltfreundlich hergestelltes Leder.₄ Das Material selbst kann nämlich auch aus Ländern stammen, die ihre Abwässer straffrei in die Umwelt leiten und auch für Tierquälerei keine schwerwiegenden Folgen zu befürchten haben. Was ich sagen will: Unternehmen müssen nicht deklarieren, woher ihr Ledermaterial stammt – und deshalb weiß man als Konsument in den seltensten Fällen, wie nachhaltig ein bestimmtes Lederprodukt tatsächlich ist. Das einzige was man sicher weiß, ist, dass Tiere dafür leiden und sterben mussten.

6. Weil In der Produktion auch Menschen leiden müssen

Warum Veganer kein Leder tragen? Auch aus Respekt gegenüber den Menschen, die in der Lederindustrie arbeiten müssen. In Ländern wie Bangladesch oder Indien gibt es kaum Gesundheitsvorschriften für die Produktion. Kinder stehen dort in der Gerberei barfuß in giftigen Chemikalien wie Arsen und Chromium, damit das gewonnene Leder später an Unternehmen in Deutschland oder den USA verkauft werden kann.₅ Studien haben bestätigt, dass diese Zustände Lungenkrankheiten und Hautkrankheiten hervorrufen.

Doch nicht nur in Entwicklungs- und Schwellenländern, sondern auch in westlichen Staaten wurden bereits höhere Krebsraten bei Gerbereiarbeitern festgestellt. So zum Beispiel in Italien, Großbritannien und Schweden.

Dadurch, dass die oft sowieso schon kontaminierten Gewässer von den Giftstoffen der Industrie zusätzlich belastet werden, steigt die Gesundheitsgefahr durch die Lederproduktion für alle Menschen – auch abseits der Gerbereien – ebenfalls weiter an.

Tipp: Eine vegane Lebensweise dient nicht nur den Tieren. Man kann genauso gut auch vegan für Menschen sein. Im verlinkten Beitrag erfährst du, inwiefern man auch anderen damit hilft.

7. Weil die pflanzliche Gerbung nicht massentauglich ist

Tatsächlich lässt sich die Haut von Tieren auch ohne Chemikalien mithilfe von pflanzlichen Stoffen (wie Rinde oder Eichenholz) länger haltbar machen. Doch die pflanzliche Gerbung ist ein extrem zeitintensiver Prozess, für den ebenfalls große Mengen an natürlichen Rohstoffen nötig sind. 

Die meisten Bäume bilden die benötigten Bitterstoffe erst nach 30 Jahren ihres Wachstums. Die Industrie hat diese Zeit nicht – und wenn doch, dann sind die erzeugten Lederprodukte unglaublich teuer. Die Ledererzeugnisse aus der pflanzlichen Gerbung sind deshalb nicht massentauglich.

8. Weil das Tragen von Leder die Akzeptanz von Tierausbeutung suggeriert

Veganer tragen keine Kleidungsstücke aus Echtleder

Je länger Menschen eine Uhr mit Lederarmband oder eine Lederjacke tragen, sich einen Ledersessel ins Wohnzimmer stellen oder mit einer Handtasche aus Krokodilsleder durch die Gegend stolzieren, desto länger wird das Material in unserer Gesellschaft akzeptiert. Veganer tragen auch deshalb kein Leder, weil sie ein gesellschaftliches Umdenken bewirken und die Menschen zum Hinterfragen der Notwendigkeit, der Herkunft und der Hintergründe von Lederwaren anregen möchten.

Tipp: Ähnliches gilt beispielsweise für das Tragen von Jacken mit Pelzkapuze. Selbst, wenn es sich nur um Kunstpelz handelt, steigert allein das Tragen der Jacke die Akzeptanz für tierische Bestandteile von Kleidungsstücken, da sich Echtpelz und Kunstpelz nur schwer unterscheiden lassen. Wenn du mehr über die Hintergründe der Pelzindustrie erfahren möchtest, schau dir gern auch den verlinkten Artikel an.

9. Weil EchtLeder kein lebensnotwendiges Material für uns Menschen ist

Vielleicht gab es eine Zeit in der menschlichen Entwicklung, in der Tierhäute uns dabei geholfen haben, zu überleben. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Es gibt schlichtweg keine ethisch-vertretbare Notwendigkeit mehr dafür, unschuldige Tiere dafür auszubeuten, um Kleidungsstücke und Alltagsgegenstände aus ihrer Haut zu machen. Das ist ein ganz entscheidendes Motiv für viele Veganer, einfach die Finger von tierischen Produkten zu lassen.

Tipp: Ich habe dir auch noch einen ausführlichen Artikel darüber zusammengestellt, warum ich überhaupt vegan lebe. Schau gerne Mal rein!

10. Weil es unzählige vegane Leder-Alternativen gibt

Ob Apfel, Kaktus, Kork, Eukalyptus oder Ananas – aus all diesen pflanzlichen Materialien lässt sich veganes Leder herstellen, dass du maximal bei genauem Hinsehen vom konventionellen tierischen Leder unterscheiden kannst.

Abgesehen davon, dass wir Leder nur aus ästhetischen oder gewohnheitsbedingten – also aus nicht lebensnotwendigen – Gründen nutzen, können wir also auch auf tierfreundliche, nachhaltige Alternativen ausweichen, wenn wir dennoch nicht auf Lederwaren verzichten möchten.

Was ist echtes Leder?

Unter Echtleder versteht man ein häufig für Kleidungs- oder Möbelstücke verwendete Material, das aus der Haut von Tieren gewonnen wird.

Werden für Leder Tiere getötet?

Es gibt kein Leder ohne den Tod eines Tieres. Leder ist häufig ein Nebenprodukt der Fleischindustrie und wird vor allem aus Kuhhäuten gewonnen – Tiere wie Schlangen oder Krokodile werden aber oft ausschließlich dafür gefangen, gehalten und getötet, um aus ihrer Haut Lederwaren herzustellen.

Für was wird Leder verwendet?

Aus Leder werden beispielsweise Bekleidungsstücke wie Jacken, Handschuhe, Schuhe oder Gürtel hergestellt. Die gegerbte Haut von Tieren findet aber auch in der Produktion von Taschen, Möbel, Autos oder Reitsatteln Anwendung.

Ist Leder Herstellung Tierquälerei?

Es gibt kein Leder ohne Tierquälerei und den Tod eines Tieres. Das Material gilt als das ertragsreichste Nebenprodukt der Fleischindustrie. Viele Tiere werden aber auch ausschließlich dafür misshandelt und getötet, damit man ihre Haut anschließend gewinnbringend verkaufen kann.

Ist der Konsum von Lederprodukten vertretbar?

Ob der Konsum von Lederprodukten vertretbar ist, ist natürlich eine Frage der persönlichen, moralischen Werte. Doch ob als Nebenprodukt der Fleischindustrie oder als Hauptprodukt der Lederindustrie – Tieren aus nicht lebensnotwendigen Gründen die Haut abzuziehen und damit die Umwelt zu belasten, würden die meisten Menschen wohl als unethisch und eher nicht vertretbar bezeichnen.

Veganer tragen vor allem aus ethischen und ökologischen Motiven keine Lederwaren

Nun hast du etwas mehr über die ethischen und ökologischen Gründe von Veganern erfahren, Lederwaren zu meiden. Es ist vor allem der Respekt gegenüber Tieren, der Umwelt und anderen Menschen, der sie dazu motiviert.

Ich hoffe sehr, dass ich dir mit diesem Beitrag etwas Licht ins Dunkle bringen konnte. Denn was wir den Tieren antun, nur um eine Handtasche aus ihnen zu machen, geht auf keine Kuhhaut. Nicht zuletzt, da es unzählige tierleidsfreie Alternativen gibt. Wie genau du Echtleder und Kunstleder unterscheiden kannst, erkläre ich dir noch einmal in einem separaten Artikel.

Hast du Fragen oder Anregungen zum Lederverzicht von vegan lebenden Menschen? Dann schreibe mir wie immer gern einen Kommentar.

Bleib‘ tierfreundlich,

Christoph von CareElite - Plastikfrei leben

PS.: Schau dich gern noch etwas im Blog um. Weißt du zum Beispiel, warum Veganer keine Wolle tragen? Im verlinkten Beitrag erfährst du es jetzt ganz genau!

Quellenangaben:
₁ PETA UK: Investigation Exposes Gruelling, Shocking Abuse in Global Leather Trade, abrufbar unter https://www.peta.org.uk/features/global-leather-trade. [02.09.2021].

₂ A. Weissmann: Is your leather from China? It might be made of dog or cat skin (Stand: 31.07.2016), abrufbar unter https://www.theguardian.com/business/2016/jul/31/dog-cat-leather-china-us-congress-trade-peta. [02.09.2021].

₃ Global Fashion Agenda (2017): PULSE OF THE FASHION INDUSTRY, abrufbar unter https://www.globalfashionagenda.com/publications-and-policy/pulse-of-the-industry. [02.09.2021].

₄,₅ Earthlink Ed: Tiere in der Modeindustrie: Alles was du wissen musst, in 12 Minuten, YouTube, 26.03.2021, Web, 02.09.2021 um 09:32 Uhr, in: https://www.youtube.com/watch?v=RE2mhaoUNaE.

₆,₇ S. K. Rastogi, C. Kesavachandran, F. Mahdi, A. Pandey (2007): Occupational cancers in leather tanning industries: A short review, abrufbar unter https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21957364. [02.09.2021].

₈ AVESU GmbH: Warum kein Leder, warum Avesu?, abrufbar unter https://www.avesu.de/infocenter/leder-und-gerbung.html. [02.09.2021].

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Christoph Schulz

Christoph Schulz

Ich bin Christoph, Umweltwissenschaftler und Autor - und setze mich hier bei CareElite gegen den Plastikmüll in der Umwelt, den Klimawandel und alle anderen großen Umweltprobleme unserer Zeit ein. Gemeinsam mit weiteren, umweltbewussten Bloggern will ich dir Tipps & Tricks für ein natürlich-gesundes, nachhaltiges Leben sowie deine persönliche Weiterentwicklung an die Hand geben.

2 Gedanken zu „Warum tragen Veganer kein Leder? 10 Gründe dafür, auf Lederwaren zu verzichten“

  1. Wieder eine Seite, wo viel Leid geklagt wird und kein einziger hilfreicher Link zu den gepriesenen Alternativen. Aber erwarten, dass Menschen sich ändern. Jammern und nicht zeigen, wie es besser geht oder nicht auf weiterführende Seiten hinweisen. Damit gehört das zu den „Weltverbesserungstheorien“, die nur klagen und nichts machen. 5 Minuten Zeitverschwendung.
    Und übrigens ist das Töten von Tieren, NUR wegen ihrer Haut in Deutschland verboten und macht auch keinen wirtschaftlichen Sinn.

    1. Hallo Malwina, danke für deinen Kommentar. Mit Apfel, Kaktus, Kork, Eukalyptus oder Ananas wurden einige Alternativen genannt. Noch besser ist es aber, ganz auf jegliches Leder zu verzichten, weil man ansonsten die gesellschaftliche Akzeptanz für das Tragen von Leder weiter hoch hält.

      Und zum zweiten Aspekt: In Deutschland mag das verboten sein, allerdings bezieht sich das Label „Made in Germany“ immer auf den Verarbeitungsort des Leders. Deutsche Unternehmer, die beispielsweise Tierhaut aus Asien importieren und sie hier verarbeiten, dürfen das Label nutzen. Außerdem bringt das hiesige Verbot nichts, wenn Konsument:innen Lederwaren kaufen, die im Ausland verarbeitet wurden.

      Wie du siehst, wird hier also nicht nur Leid geklagt, sondern auch etwas dagegen unternommen.

      Ich hoffe, dass ich dir weiterhelfen konnte und freue mich auf deine Antwort.

      Viele Grüße
      Christoph

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