Warum nerven Veganer so sehr?

Warum nerven Veganer so? 5 Gründe

Christoph Schulz Blog, Ernährung, Tierschutz, Vegan 2 Comments

Du fragst dich, warum Veganer so unglaublich nervig, anstrengend und aufdringlich sind? Dann möchte ich dir hier kurz und knapp die Antwort servieren. Ich bin selbst Veganer – war aber auch 30 Jahre meines Lebens Fleisch-Fanatiker. Mir sind beide Seiten bekannt. Ich war genervt, wenn jemand anderes eine vegane Extrawurst brauchte – und war nervig, als mir bewusst geworden ist, warum ich – und am besten gleich alle Menschen auf der Welt – vegan sein sollten.

Mittlerweile bin ich nicht mehr so anstrengend – glaube ich. 😉 Weil ich verstanden habe, warum Veganer so nervtötend und anstrengend sein können. Hier möchte ich dir die 5 entscheidenden Gründe dafür auflisten – auch, um zwischen den Lagern zu vermitteln. Auf geht's!

Hier ist ein vorab kurze Übersicht für dich:

  1. Moralischer Widerspruch
  2. Ethische Werte infrage gestellt
  3. Ökologische Werte infrage gestellt
  4. Gesundheitliche Werte infrage gestellt
  5. Keine logischen Gegenargumente

5 Gründe, warum Veganer anderen so auf die Nerven gehen

Nervig, anstrengend, aufdringlich, lästig, nervtötend, intolerant, verwöhnt und aggressiv – wow, ich habe früher wirklich eine Mauer aus negativen Stereotypen über Veganer gebaut, um mich auf keinen Fall mit diesem Lebensstil auseinandersetzen zu müssen.

Erst als ich sie durchbrochen hatte, konnte ich verstehen, warum ich Veganer immer so „ätzend“ fand. Wie versprochen, sind hier die 5 entscheidenden Gründe dafür!

1. Aufgrund eines inneren, moralischen Widerspruchs

Frau von Veganer genervt

Kognitive Dissonanz ist ein als unangenehm empfundener Gefühlszutand, der auftritt, wenn wir die Realität erkennen und zwei unserer Erkenntnisse im Widerspruch zueinander stehen. Dieser innere Konflikt tritt zum Beispiel bei Rauchern auf, die wissen, dass das Rauchen das Krebsrisiko entscheidend erhöht. Aber eben auch bei Fleischessern und Vegetariern, wenn Sie spüren: „Ich liebe Tiere, aber ich lasse sie für meine Mahlzeiten töten.“

Das ist ganz offensichtlich ein Widerspruch zwischen den eigenen Wertvorstellungen und dem eigenen Handeln. Ablehnung und Hass gegenüber Veganern – oder die sich festigende Einstellung, dass sie nerven – sind ein typischer Reflex darauf.

2. Weil sie unsere ethischen Wertvorstellungen infrage stellen

Ferkel - Ethik

„Ich liebe Tiere. Sie sind fühlende Lebewesen, die genauso Freude und Schmerz empfinden, wie wir Menschen auch. Und ich will nicht, dass ihnen etwas angetan wird.“

Ich glaube, ich lehne mich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass wir alle gegen Tierquälerei sind. Dennoch finanziert ein Großteil unserer Gesellschaft sie regelmäßig beim Kauf von Fleisch, Kuhmilch, Eiern, Gummibärchen, Pelzmänteln und vielen weiteren, tierischen Produkten bewusst oder unbewusst mit. In der Massentierhaltung werden Tiere künstlich geschwängert, misshandelt, verstümmelt, geschreddert und vergast. Auch in der Bio-Haltung haben männliche Kälber und Küken keinen Wert für die Industrie, weshalb sie kurz nach ihrer Geburt getötet werden. Und ob „Masse oder Klasse“, ob „Jung oder Alt“- am Ende landen alle „Nutztiere“ im selben, brutalen Schlachthaus, weil wir sie essen wollen.

Das sind Dinge, die grundsätzlich gegen menschliche Wertvorstellungen sprechen. Deshalb entsteht auch hier wieder ein innerer Konflikt, der unser Bild über anstrengende und nervige Veganer verstärken kann: „Ich bin gegen Tierquälerei, aber ich zahle Geld dafür.“

Gut zu wissen: Die meisten Veganer sind auch vegan für Menschen – und nicht nur für die Tiere. Denn der Lebensstil hilft beispielsweise auch dabei, den Welthunger zu stoppen.

3. Weil sie unsere ökologischen Wertvorstellungen infrage stellen

Regenwald Rodung - Deshalb nerven Veganer

„Ich will meine Umwelt schützen – aber ich will weiter Fleisch essen und andere tierische Produkte konsumieren.“ Die kognitive Dissonanz von Nicht-Veganern geht auch beim Thema Umweltschutz weiter. Spätestens dann, wenn sie erfahren, dass rund 83 Prozent der weltweiten Agrarflächen als Weide- oder Anbaufläche für Futtermittel „unserer“ Nutztiere dienen.₁ Oder wenn klar wird, dass 88 Prozent der Abholzung des Regenwaldes im Amazonasgebiet auf die Kappe der Tierindustrie gehen₂ und dies der wesentliche Treiber des derzeitigen Artensterbens ist.

Umwelt schützen und tierische Lebensmittel essen? Beides passt nicht zusammen – und das täglich bei drei Mahlzeiten. Dieser innere Widerspruch führt wieder dazu, dass viele Menschen Veganer als nervig und anstrengend empfinden.

Du kannst dir nicht vorstellen, vegan zu leben? Mich hat der Film Dominion schlussendlich überzeug und dauerhaft motiviert.. Er ist kostenlos bei YouTube verfügbar. Ich bin mir sicher, dass er dein Leben positiv verändern wird.

4. Weil sie unser Streben nach Gesundheit infrage stellen

Vegane Mahlzeit gebratene Süßkartoffeln

„Ich will gesund sein und es auch bleiben – aber weiterhin Fleisch essen.“ Bei Nicht-Veganern entsteht auch hier wieder ein innerer Widerspruch, wenn sie erfahren, dass Veganer im Gegensatz zu ihrem Ruf, eben nicht alle „dünne, schwache, unterernährte und ungesunde“ Menschen sind.

Wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass Veganer seltener an Typ 2 Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmten Krebsarten erkranken.₃ Außerdem ist eine ausgewogene, vegane Ernährung laut der American Dietetic Association für alle Lebensphasen eines Menschen – einschließlich der Schwangerschaft – geeignet.₄

Wenn es gesund ist, vegan zu leben, warum sollten wir den Tieren dann weiterhin diese gruseligen Dinge antun? Die meisten Nicht-Veganer finden darauf keine Antwort. Auch deshalb werden Veganer in der Folge oft als nervig und anstrengend empfunden.

5. Weil es einfach kein logisches Argument gegen den Veganismus gibt

Gorilla denkt nach - Veganer nerven

„Ich will an meinen Gewohnheiten festhalten – aber ich will nicht, dass andere Menschen, Tiere, Umwelt und meine eigene Gesundheit darunter leiden müssen.“ Gewohnheit, Geschmack, Tradition und Bequemlichkeit sind sicherlich die meist genannten Argumente für den Konsum von tierischen Lebensmitteln. Sie alle sind schnell widerlegt. Nicht zuletzt, da sie eher egoistisch daherkommen.

Informierte Veganer nerven also sicher so sehr, weil es schlichtweg keine Chance gibt, in einer Diskussion gegen sie zu triumphieren. Ganz einfach, weil sie sich für die Werte einsetzen, die man ja grundsätzlich auch selbst vertritt. Doch aufgrund des Widerspruchs mit dem eigenen Handeln, gibt man das ungern zu. Die Reaktion? Entweder findet man Veganer nervig – oder man erkennt, dass man etwas ändern sollte, um Werte und Handeln wieder in Einklang zu bringen.

Du bist noch nicht überzeugt? In einem separaten Beitrag zeige ich dir alle meine Gründe dafür, vegan zu leben.

Veganer nerven, weil sie Gewohnheiten infrage stellen

Den meisten Menschen fallen persönliche Veränderungen schwer. In diesem Fall droht sogar eine wesentliche Veränderung, die bei den meisten von uns das Verhalten mehrerer Jahrzehnte unseres Lebens infrage stellt. Kein Wunder also, dass Veganer so nerven, wenn sie uns ungefragt oder auf Nachfrage erklären, dass sie für Tiere, für Menschen, für die Umwelt und die eigene Gesundheit vegan leben.

Wir sind uns also einig, dass Veganer nerven – richtig? Vergiss das einfach Mal für einen Moment und stelle dir die folgende Frage: Welcher Lebensstil entspricht mehr deinen persönlichen Werten? Die Lebensweise, die zeitweise aber regelmäßig Opfer fordert? Oder die Lebensweise, in der Mitgefühl, Barmherzigkeit und Liebe für Mensch, Planet und Tier im Vordergrund stehen? Meine Antwort war die Letztere. Deshalb bin ich jetzt vegan. Und glücklich damit.

Fallen dir weitere Gründe dafür ein, dass Veganer so nerven? Oder hat dir dieser Artikel dabei geholfen, den veganen Lebensstil besser zu verstehen? Teile gerne deine Gedanken in den Kommentaren.

Bleib‘ mitfühlend,

Christoph von CareElite - Plastikfrei leben

PS.: Im Artikel Start ins vegane Leben erhältst du Tipps und Tricks für die kurzweilige Umstellung.

₁ Dinge erklärt – Kurzgesagt: Fleisch – Das leckerste Übel der Welt, YouTube, 24.01.2019, Web, 29.10.2020 um 10:12 Uhr, in: http://y2u.be/y6f3dwxexZM.

₂ DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND e.V.: du und das tier, Rinder als Klimasünder (Sonderdruck), abrufbar unter https://t1p.de/zpkd. [07.05.2020].

₃ S. Tonstand, T. Butler, G. Fraser; u.a. (2009): Type of vegetarian diet, body weight, and prevalence of type 2 diabetes https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19351712. [14.12.2020].

₄ American Dietetic Association; W. J. Craig; A. R. Mangels: Position of the American Dietetic Association: vegetarian diets (Stand: Juli 2009), abrufbar unter https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19562864. [24.07.2020].

Ich bin Christoph, Umweltwissenschaftler und Autor - und setze mich hier bei CareElite gegen den Plastikmüll in der Umwelt, den Klimawandel und alle anderen großen Umweltprobleme unserer Zeit ein. Gemeinsam mit weiteren, umweltbewussten Bloggern will ich dir Tipps & Tricks für ein natürlich-gesundes und vor allem nachhaltiges Leben an die Hand geben. Wenn du möchtest, dass wir weiter mit voller Kraft an CareElite arbeiten, kannst du uns gern ein paar Taler für die technische Verbesserung der Webseite, CleanUp-Material und neue aufklärende Blogbeiträge in unsere Kaffeekasse werfen. So oder so - danke, dass du da bist!

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Comments 2

  1. Sie können die Welt nicht retten und die Menschen ändern. Ich bin veganer aber ich kenne Mensche die Tiere hassen und kein Mitleid haben. Solche gibt es genug und es wird sich nicht ändern.
    Die Veganer sollen aufhören zu nerven.

    1. Post
      Author

      Hey Jenny! Die Welt verändert sich jetzt gerade – weil wir nicht allein sind, in dem, was wir tun. Und weil es Menschen gibt, die unsere Welt zu einem besseren Ort machen wollen. Nicht zu einem perfekten Ort. Es wird immer Menschen geben, die Tiere misshandeln – aber es wird auch immer Rassisten geben und Männer, die Frauen missachten. Nur weil etwas immer so war, heißt das nicht, das wir es weiter unterstützen müssen. Geh selbst mit gutem Beispiel voran. Selbst wenn du einmal im Jahr einen Menschen vom Veganismus überzeugst, ist das ein Fortschritt.

      Viele Grüße
      Christoph

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