Draußen sein - Warum wir uns in der Natur wohl fühlen

Draußen sein – 5 Gründe für einen gesunden Aufenthalt in der Natur

Simon Rösgen Blog, Gesundheit, Körper, Psyche Leave a Comment

Inwiefern ist es eigentlich gesund, Zeit im Freien draußen in der Natur zu verbringen? Du kennst es vielleicht: Betrittst du ein grünes Areal, wie zum Beispiel einen Wald oder Park, senkt sich dein Puls, du kannst freier atmen, Anspannung und Stress fallen von dir ab. Voller Begeisterung tauchst du dein Gesicht in das warme Sonnenlicht und nimmst das Vogelgezwitscher um dich herum wahr. Viele Menschen sehnen sich nach einem gesunden, naturverbundenen Leben. Dass ein Aufenthalt in der Natur nicht nur entspannend ist, sondern auch langfristig die Gesundheit fördert und sogar Krebs vorbeugen kann, haben zahlreiche Studien bewiesen. 

In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, warum der Aufenthalt in der Natur so positiv auf uns wirkt und du dir mehr Zeit für ein paar Stunden im Freien einplanen solltest.

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5 Gründe, warum wir uns draußen in der Natur so wohl fühlen

Draußen sein in der Natur - Warum wir uns so wohl fühlen

Wir als Menschen haben den größten Teil unserer Evolutionsgeschichte draußen in der Natur als Jäger und Sammler verbracht. Großstädte und insbesondere Megastädte haben sich erst in den letzten 300 Jahren entwickelt, bis Mitte des vorletzten Jahrhunderts lebte noch ein Großteil der Bevölkerung auf dem Land. Viele Menschen spüren daher nach wie vor eine intuitive Geborgenheit und ein Gefühl von “zu Hause sein” in der Natur. Darüber hinaus fördert ein Aufenthalt in der Natur durch verschiedene Faktoren die Gesundheit. 

1. Natürliche Geräusche senken das Stresslevel

Die britische Wissenschaftlerin Gould van Praag verglich in einer Studie zur Wirkung von Naturgeräuschen zwei Testgruppen miteinander: Der einen spielte sie künstliche Geräusche wie z.B. Verkehrslärm vor, die andere Gruppe hörte natürliche Geräusche wie z.B. Vogelgezwitscher. Bei den Probanden, die die natürlichen Geräusche hörten, traten gleich mehrere positive Effekte ein, u.a. eine Senkung der Herzfrequenz und der Ausschüttung von Adrenalin, außerdem lockerten sich die Muskeln deutlich. Dies alles sind offensichtliche Indikatoren für weniger Stress. Des Weiteren zeigte sich auch eine Steigerung der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit bei den Probanden.

Diese Studie führte dazu, dass aktuell auch Ärzte untersuchen, ob sich Naturgeräusche im Krankenhaus einsetzten lassen, um Patienten während belastender Behandlungen zu beruhigen.

2. Sonnenlicht stärkt das Immunsystem

Natürliches Sonnenlicht hat vielerlei Auswirkungen auf den Körper: Es bildet in der Haut Vitamin D, das wichtig für die Funktion des Immunsystems und die Bekämpfung von Krankheitserregern ist. Auch fördert Sonnenlicht die Produktion des sogenannten Glückshormons Serotonin, dessen Ausstoß im Körper für gute Laune verantwortlich ist.

3. Grüne Bäume aktivieren die Selbstheilungskräfte

In einer vielbeachteten Studie beobachtete der Gesundheitsforscher Roger Ulrich bereits 1984 einen interessanten Effekt: Patienten, die nach einer Operation an der Gallenblase einen Baum vor ihrem Krankenhausfenster stehen hatte, wurden schneller wieder gesund und konnten früher nach Hause entlassen werden. Auch brauchten sie weniger Schmerzmittel als solche, die keinen Baum vor dem Fenster stehen hatten.

Die Vermutung, dass Bäume unsere Heilkräfte fördern, konnte auch von dem japanischen Mediziner Qing Li in einer umfassenden Metastudie bestätigt werden. Er verglich die Gesundheitsdaten der gesamten japanischen Bevölkerung miteinander und fand heraus, dass in Waldgebieten deutlich weniger Menschen aufgrund einer Krebserkrankung sterben als in unbewaldeten Gebieten.

Der Grund für die Heilkraft der Bäume liegt in den sogenannten Phytonzyden: Das sind Substanzen, die die Bäume bilden, um sich selbst vor Krankheitserregern zu schützen. Diese können auch vom Menschen aufgenommen und verarbeitet werden.

4. Aufenthalt im Freien steigert Selbstwertgefühl

Eine Untersuchung der Universität Essex in England hat gezeigt, dass ein Aufenthalt draußen in der freien Natur das Selbstwertgefühl steigert und die Stimmung hebt. Auch wurde herausgefunden, dass durch die Studie depressive Gedanken reduziert werden und Menschen, die sich häufiger in der freien Natur bewegen, seltener an einer Depression erkranken. Die interessante Erkenntnis: Offenbar sind täglich fünf Minuten Bewegung im Freien die optimale Dosis, um langfristig von den positiven Effekten zu profitieren!

5. Keine Reizüberflutung in der Natur

Ein weiterer Faktor, der zur positiven Wirkung der Natur auf die Gesundheit beiträgt, ist die Abwesenheit von Reizüberflutung. Die “Attention Restoration Theory” besagt, dass Reize, denen Menschen in der Stadt permanent ausgesetzt sind, wie z.B. Sirenen und Baustellenfahrzeuge, abgewehrt werden müssen, da sie nicht wichtig für die eigene derzeitige Situation sind. 

Diese unaufhörliche Reizabwehr ermüdet aber auf Dauer. In der Natur hingegen wird die Aufmerksamkeit ohne Anstrengung auf nur wenige Reize gelenkt. Wer gedankenverloren den dahinziehenden Wolken nachsieht oder dem Rascheln der Blätter lauscht, kuriert der Theorie zufolge die mentale Erschöpfung, die aus der ständigen Reizüberflutung im Alltag verursacht wird.

Nicht zuletzt hat ein Aufenthalt in der Natur auch einen optischen Effekt: Frische Luft versorgt die Haut mit Sauerstoff und kurbelt die Durchblutung an. Dadurch wird die Zellteilung angeregt und ein gesundes und frisches Aussehen wird gefördert.

Wie kannst du die Natur am besten genießen?

Gesundheit in der Natur - Öfter draußen sein

Viele Menschen, die anfangen mehr Zeit in der Natur zu verbringen, setzen sich unbewusst unter Druck, weil sie denken, sie müssten sich automatisch entspannen. Oder es fällt ihnen schwer, nicht mehr an die Arbeit oder einen anderen Stressfaktor zu denken. Um dem entgegenzuwirken, ist z.B. eine Möglichkeit die bewusste Konzentration auf deine Sinneswahrnehmungen. Wie fühlt sich der Wind auf deinen Wangen an? Kannst du das Zwitschern der Vögel hören, vielleicht in der Nähe irgendwo das Rauschen eines Baches? Sobald du anfängst, dich bewusst auf deine Sinne zu konzentrieren, ist in deinem Kopf weniger Platz für Gedanken, die dich unter Stress setzen. 

Draußen sein in den Alltag einbauen

Mehr draußen in der Natur sein ist gesund

Die Wissenschaft ist sich also einig: Selbst ein kurzer Aufenthalt in der Natur hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Doch wie kann man es schaffen, sich diese Wirkung auch im Alltag zu Nutze zu machen?

Du kannst zum Beispiel Zeit für regelmäßige Spaziergänge einplanen und Treffen mit deinen Freunden oder Kollegen in der Natur abhalten. Eine weitere Möglichkeit ist natürlich, anstatt mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Fahrrad oder zu Fuß durch die Natur zur Arbeit zu gelangen. Eventuell verlängert sich dadurch dein Arbeitsweg, bedenke jedoch, dass es hier nicht um eine Freizeitaktivität geht, sondern um eine langfristige Investition in deine eigene Gesundheit.

Die Natur hat gravierenden positiven Einfluss auf die Gesundheit, sie bringt uns in Einklang mit uns selbst, wir erfahren Wertschätzung und Entspannung. Dies zeigt uns einmal mehr die Bedeutung der Natur für unser Leben: Sie ist ein Bereich, den es zu schätzen und zu schützen gilt.

Beste Grüße,

Simon

PS: Wirf unbedingt einen Blick in den Naturgesundheitsblog von Carelite. Dort findest du viele weitere Tipps und Ideen – zum Beispiel für das vegane Wandern auf dem Jakobsweg!

Quellenangaben:
Alvarsson JJ, et al. Stress Recovery during Exposure to Nature Sound and Environmental Noise. Int. J. Environ. Res. Public Health 2010, 7(3), 1036-1046.

Gould van Praag CD, et al. Mind-wandering and alterations to default mode network connectivity when listening to naturalistic versus artificial sounds. Sci Rep. 2017 Mar 27;7.

Li Q. Effect of forest bathing trips on human immune function. Environ Health Prev Med. 2010 Jan; 15(1): 9–17.

Barton J and Pretty J. What is the Best Dose of Nature and Green Exercise for Improving Mental Health? A Multi-Study Analysis. Environ. Sci. Technol., 2010, 44 (10), 3947–3955.

Simon ist freiberuflicher Autor und Werbetexter in den Bereichen Psychologie, Gesundheit, Marketing und Reisen. In 2017 machte er sich selbstständig und schreibt seitdem für die bekanntesten Blogs im deutschsprachigen Raum. Er lebt in Wien.

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