Umweltflüchtlinge - Wenn Menschen vor der Natur fliehen

Umweltflüchtlinge – Wenn Menschen vor den Klimaveränderungen fliehen

Was genau sind eigentlich Umweltflüchtlinge? Und was kann man tun, um Umweltflucht vorzubeugen? Wenn du Antworten auf diese Fragen suchst, bist du hier genau richtig! Viele Menschen flüchten aufgrund von Kriegen, Hungersnöten oder Armut aus ihren Heimatländern. Viele Menschen in westlichen Nationen wie Deutschland glauben, nur wenig dagegen unternehmen zu können. Eine Spende an eine Menschenrechtsorganisation vielleicht? Und dann scheinen sich die Möglichkeiten auch schon in Grenzen zu halten. Doch oft sind ökologische Probleme wie Wasserknappheit, die Abholzung von Regenwäldern oder der Klimawandel die grundlegenden Auslöser der genannten Fluchtgründe – Probleme, die wir mit unserer Lebensweise selbst verschulden. Immer öfter sind sie sogar der entscheidende Faktor für die Flucht aus der eigenen Heimat.

In diesem Artikel möchte ich dir jetzt alles Wissenswerte über die Umwelt- und Klimaflüchtlinge an die Hand geben. Von der Definition, über Zahlen und Fakten, Ursachen und Beispielen für Folgen, bis hin zu Lösungen. Mein Ziel ist es vor allem, dir ein besseres Verständnis für die Situation von Umweltflüchtlingen zu vermitteln. Auf geht's!

Hier ist vorab noch eine kurze Übersicht über den Artikel:

Was genau ist ein Umweltflüchtling?

Unter Umweltflüchtlingen (oft auch Klimaflüchtlinge genannt) versteht man Menschen, die ihren Lebensraum aufgrund von Umweltveränderungen oder Naturkatastrophen verlassen, um in eine sicherere Umgebung zu flüchten.

Wer vor Umweltveränderungen flieht, ist laut der Flüchtlingsdefinition der Genfer Flüchtlingskonvention allerdings kein Flüchtling im klassischen Sinne. Hier heißt es:

Artikel 1, Abs. 2, Protokoll über die Rechtsstellung der Flüchtlinge: Die Flüchtlingseigenschaft wird Personen zuerkannt […] die infolge von Ereignissen, die vor dem 1. Januar 1951 eingetreten sind, und aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will […]

Zahlen & Fakten zu Umweltflüchtlingen

Es gibt leider nur wenige Statistiken rund um das Thema der Umweltflucht. Das liegt vor allem daran, dass einheitliche Definitionen fehlen und die hauptsächliche Fluchtursache (Armut, Kriege etc.) in vielen Fällen in erster Instanz durch ökologische bzw. klimatische Veränderungen hervorgerufen wurde. Hier sind dennoch einige Fakten, die über Umweltflüchtlinge bekannt sind:

  • Afghanistan ist das Land mit der höchsten Zahl an Binnenflüchtlingen durch Naturkatastrophen – etwa 1,2 Millionen im Jahr 2019.₁
  • Im Zeitraum von 2008-2017 verzeichnete das IDMC (Internal Displacement Monitoring Centre) die Vertreibung von insgesamt 246,5 Millionen Menschen durch geophysische und klimabedingte Katastrophen.₂
  • Für das Jahr 1995 sprach der Umweltwissenschaftler Norman Myers von etwa 25 Millionen Umweltflüchtlingen. Bis zum Jahr 2050 rechnet er mit etwa 150 Millionen Umweltflüchtlingen.₃
  • Laut Internationalem Roten Kreuz machen Umweltflüchtlinge inzwischen etwa 58 Prozent der weltweiten Flüchtlinge aus.₄

Welche Ursachen hat die Umweltflucht?

Umweltflüchtlinge sind oft Menschen mit Landwirtschaft

Nun wissen wir schon etwas mehr über Umweltflüchtlinge – doch was genau zwingt die Menschen dazu, aus ihrer Heimat zu flüchten? Hier sind einige der typischen, umweltbedingten Ursachen:

  • Bodenerosion
  • Klimawandel (z.B. Verlust von Staatsgebiet durch Überschwemmungen)
  • Wasserknappheit
  • Naturkatastrophen
  • Desertifikation (Wüstenbildung)
  • Umweltverschmutzung durch Pestizideinsatz oder Abfälle
  • Soziale Destabilisierung als Folge von Umweltzerstörung

Man könnte es sich einfach machen und behaupten, dass Umweltflüchtlinge vor der Natur fliehen. Doch bei genauerer Betrachtung ist die Natur an sich nichts, wovor man sich fürchten müsste – es sind vielmehr die ökologischen Folgen unserer zerstörerischen, westlichen Lebensweise, die Menschen in sicherere Länder treibt.

Was würdest du tun, wenn du und deine Familie von Naturkatastrophen bedroht sind oder klimabedingte Ernteausfälle deine Lebensgrundlage zerstören? Uns geht es schon ziemlich gut. So gut, dass die Lebensweise unserer westlichen Welt zu den Hauptgründen des Klimawandels zählen, der andere Länder aktuell noch härter treffen mag, als uns selbst. Wir wissen aber auch, dass die globale Erderwärmung grundsätzlich keinen Halt an Ländergrenzen macht.

Beispiele für Umweltflüchtlinge

Klimaflüchtlinge als Folge von Dürreperioden

Anhand von einigen Beispielen lassen sich die Folgen unserer klimaschädlichen Lebensweise für andere Menschen greifbarer machen. Ich könnte hier tausende Beispiele auflisten – aber ich denke dass die Folgenden ein tiefergehendes Verständnis für die Problematik erzeugen können:

  • Syrienkrieg: Der Bürgerkrieg in Syrien ist die Folge einer Dürreperiode, die zu Missernten führte und Menschen vom Land in die Städte zwang. Mit der darauffolgenden Arbeitslosigkeit stieg die Unzufriedenheit. Die Protestwellen nahmen zu – der Bürgerkrieg begann. Seit 2011 sind etwa 5,7 Millionen Menschen vor dem Syrienkrieg geflohen.₆
  • Tschernobyl: Der Reaktorunfall im ukrainischen Tschernobyl am 26. April 1986 zwang die Einwohner in die Flucht. Etwa 130.000 Menschen mussten ihre Heimat aufgrund der Umwelt- bzw. Nuklearkatastrophe verlassen.
  • Carteret-Atoll: Die zu Papua-Neuguinea zählenden kleinen Inseln Han, Huene, Jangain, Yesila, Iolassa und Piul haben weder Strom, noch Autos und erst recht keine Fabriken. Die Lebensweise der Menschen dort trägt nur unwesentlich zur Erderwärmung bei, dennoch sind die Inseln demnächst dem Untergang geweiht. Etwa 2.000 Menschen werden dann unausweichlich zu den ersten Klimaflüchtlingen zählen.₇
  • Nil-Flussdelta: Es sind nicht nur der Meeresspiegelanstieg und Überschwemmungen, sondern auch die daraus resultierende Bodenversalzung, die wesentlichen Einfluss auf die Landwirtschaft in der Nilregion nehmen. Etwa 35 Prozent des Getreides für ganz Afrika werden hier produziert, doch die Ernteerträge sinken. Die Hungersnot – und damit ein wesentlicher Fluchtgrund – ist vorprogrammiert.₈

Was können wir gegen die Umweltflucht und für Umweltflüchtlinge tun?

Nachhaltig leben um Umweltflüchtlingen zu helfen

Nun kennen wir einige Fakten, Ursachen und Beispiele für und über die Situation der Umweltflüchtlinge. Doch offen ist noch die Frage, was wir neben Hilfsmaßnahmen vor Ort wirklich langfristig dagegen tun können, dass Menschen aufgrund einer unbewohnbaren oder unnutzbaren Umwelt ihre Heimat verlassen müssen. 

bewusster und nachhaltiger leben

Wie bereits gesagt, ist unsere Lebensweise der wesentliche Antreiber von Umweltproblemen, die wiederum eine häufige Fluchtursache sind. Durch eine nachhaltigere, respektvollere Lebensweise können wir dem Klimawandel und anderen ökologischen Herausforderungen unserer Zeit aber gezielt entgegenwirken. Es geht dabei vor allem auch um den Respekt gegenüber anderen Menschen – auf deren Kosten wir leben. Hier einige Beispiele und weiterführende Informationen zu sinnvollen Lösungsansätzen jedes Einzelnen:

Politik in die Verantwortung nehmen

Klima- und Umweltflucht haben klare Ursachen, die auf uns Menschen in der westlichen Welt zurückgehen. Die Politik hat die Aufgabe, das öffentliche, aber teilweise auch das private, (Zusammen-)Leben der Bürger, Handlungen und Bestrebungen zur Führung des Gemeinwesens zu forcieren.₅ Die Klima- und Umweltschutzmaßnahmen der Regierung müssen also intensiviert werden – und das geht scheinbar nur durch den Druck aus der Bevölkerung.

Du kannst Demonstrationen und Online-Petitionen starten oder bestehende Aktionen unterstützen, um politische Maßnahmen gegen die Umweltflucht zu intensivieren. Das könnte zum Beispiel die Erhöhung der Mehrwertsteuer für tierische Lebensmittel von 7 auf 19 Prozent und die Senkung der Mehrwertsteuer für pflanzliche Lebensmittel wie Sojamilch von 19 auf 7 Prozent, sein.

Hast du weitere Ideen im Kampf gegen die Umweltflucht? Dann schreibe mir gern einen Kommentar!

Umweltflucht – Ein Problem, dass nicht ignoriert werden darf!

Gerade wir Deutschen meckern gerne über die vielen Flüchtlinge, die sich auf den Weg nach Deutschland machen. Es hilft definitiv, sich bewusst zu machen, warum diese Menschen aus ihrer Heimat fliehen. Kriege, Hungersnöte und der Klimawandel. Das sind Folgen, die uns in Deutschland nicht oder bisher nur bedingt treffen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass wir mit unserer westlichen, luxoriösen und ressourcenintensiven Lebensweise auf Kosten anderer Leben. Nicht nur auf Kosten von Menschen in ärmeren Ländern, die die Folgen des Klimawandels jetzt schon auf brutalste Weise zu spüren bekommen. Sondern auch Kosten des Planeten, den wir uns gemeinsam mit anderen Lebewesen teilen. Wir sind also ein Grund dafür, dass es Umweltflüchtlinge gibt. Können aber auch genauso gut zum Problemlöser werden.

Hast du Fragen, Anregungen oder eigene Erfahrungen mit dem Thema Umweltflucht gemacht? Dann schreibe mir gern einen Kommentar unter diesen Beitrag.

Bleib‘ nachhaltig,

Christoph von CareElite - Plastikfrei leben

PS.: Du willst wissen, wie du umweltfreundlicher lebst, damit weniger Menschen vor Umweltproblemen flüchten müssen? Dann wirf gern einen Blick in mein Buch „Nachhaltig leben für Einsteiger“, dass dir alle wichtigen Fragen beantworten und die einen bequemen Einstieg in die zukunftsorientierte Lebensweise gibt.

Quellenangaben:
₁ IDMC; Statista GmbH: Die zehn Länder mit der höchsten Zahl an Binnenflüchtlingen durch Naturkatastrophen (Stand: Dezember 2019), https://t1p.de/jot7. [16.04.2021].

₂ IDMC: 2018a – Global Report on Internal Displacement 2018, https://www.internal-displacement.org/global-report/grid2018. [16.04.2021].

₃ J. Tangermann: Zur Prognose des Umfangs klimabedingter Migrationen (Stand: 01.023.2019), https://t1p.de/lw87. [16.04.2021].

₄ International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies:  World disaster report 1999. [16.04.2021].

₅ Manfred G. Schmidt: Wörterbuch zur Politik (Kröners Taschenausgabe. Band 404). 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2004, ISBN 3-520-40402-8, S. 538 f.

₆ L. Neal: Aufgeheizte Konflikte (22.03.2019), https://t1p.de/2zc0. [16.04.2021].

₇ Mission EineWelt: Klimaflucht im Pazifik, abrufbar unter https://t1p.de/h9oj. [16.04.2021].

₈ Umweltflüchtlinge: Fakt oder Fabel? (Stand: 30.05.2016), https://t1p.de/a4cv. [16.04.2021].

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Christoph Schulz

Ich bin Christoph, Umweltwissenschaftler und Autor - und setze mich hier bei CareElite gegen den Plastikmüll in der Umwelt, den Klimawandel und alle anderen großen Umweltprobleme unserer Zeit ein. Gemeinsam mit weiteren, umweltbewussten Bloggern will ich dir Tipps & Tricks für ein natürlich-gesundes und vor allem nachhaltiges Leben an die Hand geben.

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