Bodenerosion und Bodenabtrag als Umweltproblem

Bodenerosion – Alles über den globalen Bodenabtrag

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Was versteht man eigentlich unter Bodenerosion? Diese Frage stellen sich heutzutage nicht nur Landwirte. Denn durch unterschiedlichste Ursachen kommt es auf den Feldern zum Abtrag fruchtbaren Bodens, sodass es vermehrt zu Ernteausfällen kommt und unsere Ernährungssicherheit bedroht. Das Problem greifbar beschrieben: geht die fruchtbare, oberste Schicht einmal verloren, kommt sie nicht mehr zurück. Dabei ist ein gesunder Boden die Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und auch uns Menschen. Die sogenannte Bodenerosion gehört deshalb zu den größten Umweltproblemen unserer Zeit.

In diesem Artikel möchte ich dir alles Wissenswerte dazu an die Hand geben. Von der Definition über Statistiken, Ursachen und Folgen, bis hin zu sinnvollen Lösungen – sowohl für deinen Alltag, als auch für Landwirte und Politik.

  1. Definition
  2. Wassererosion
  3. Winderosion
  4. Statistiken
  5. Ursachen
  6. Folgen
  7. Lösungen
  8. Schlusswort

Was ist Bodenerosion?

Grundsätzlich ist damit der Abtrag von Bodenbestandteilen durch abfließendes Wasser, Wind, Schneeschmelze und Bodenverlagerungen gemeint, wobei der größte Anteil der globalen Bodenerosion auf den Mensch zurückzuführen ist.

Der Begriff der Erosion ist davon insofern abzugrenzen, dass damit grundsätzlich nur die natürliche, also nicht menschengemachte Abtragung der Gesteine an der Erdoberfläche bezeichnet wird.

Der Begriff der Bodendegradierung ist eine Folge der Bodenerosion und meint den dauerhaften Verlust bzw. die permanente Veränderung der Bodenstruktur.1)https://www.spektrum.de/lexikon/geographie/bodendegradation/1110

Bodenerosion durch Wind

Die sogenannte Winderosion beschreibt die Verlagerung von Bodenmaterial der Bodenoberfläche durch den Wind, die bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 5-6 m/s auftritt. Größere Bodenpartikel werden dabei tendenziell nur über kurze Strecken befördert, während kleine Teilchen deutlich weiter getragen werden können.2)https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/boden/12340.htm

Sehr anfällig für die Winderosion sind windoffene, trockene und sehr ebene Flächen mit hohem Feinstsandanteil.

Bodenerosion durch Wasser

Regentropfen reißen kleine Bodenpartikel aus der Erde und verstopfen damit die Hohlräume im Boden, sodass dieser verschlammt. Das Wasser kann dann zwangsläufig nur noch an der Oberfläche abfließen und reißt fruchtbaren Ackerboden mit. Auf dem Acker bilden sich darauffolgenden diese linienhaften Erosionsformen3)https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/bodenbelastungen/erosion in der genannten Reihenfolge

  1. Rillen: Zunächst läuft das Wasser in etwa zwei bis zehn Zentimeter großen Rillen ab.
  2. Rinnen: Daraufhin bilden sich etwa 10 – 40 Zentimeter große Rinnen.
  3. Gräben: Hält die Ursache der Wassererosion an, können sogar ganze Gräben entstehen, die mehr als 40 Zentimeter messen.

Besonders in Hanglagen kann die Wassererosion extreme Ausmaße annehmen. Zudem kann es auch zur sogenannten flächenhafte Erosion durch aufprallende Regentropfen kommen, die ebenfalls Partikel aus dem Boden lösen kann.

Zahlen, Fakten & Statistiken

Da das Umweltproblem der Bodenerosion sehr schwer greifbar bzw. auf den ersten Blick schwer sichtbar ist, möchte ich dir einige Statistiken dazu an die Hand geben:

  • Ein Viertel aller landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland ist stark durch Erosion gefährdet.4)https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article150306740/Deutschlands-Boden-verschwindet.html
  • Auf stark gefährdeten Flächen betrug der jährliche, durchschnittliche Bodenverlust durch Wassererosion über fünf Tonnen pro Hektar. Laut Umweltbundesamt ist das ein Bodenverlust von mehr als 0,5 Millimeter pro Jahr.5)https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/bodenbelastungen/erosion
  • 24 Milliarden Tonnen fruchtbarer Boden sind allein im Jahr 2011 verloren gegangen.6)https://www.youtube.com/watch?time_continue=125&v=S5ZVpQS0D9M
  • Die Erosion kostet jeden Menschen 60 Euro pro Jahr.7)https://www.giz.de/fachexpertise/html/60098.html Insgesamt sind das etwa 420 Milliarden Euro weltweit.8)https://www.youtube.com/watch?time_continue=125&v=S5ZVpQS0D9M
  • Im Jahr 2050 wird pro Erdbewohner nur noch ein Viertel des Ackerlandes zur Verfügung stehen, dass im Jahr 1960 nutzbar war. 9)https://www.scientificamerican.com/article/only-60-years-of-farming-left-if-soil-degradation-continues/
  • Weltweit sind vor allem die 2,5 Milliarden Menschen, die in Trockengebieten leben – das sind rund 40% der Landoberfläche. 70% davon drohen sich in Wüste zu verwandeln.10)https://www.giz.de/fachexpertise/html/60098.html

Ursachen der Bodenerosion

Ursachen des Umweltproblems der Bodenerosion

Doch wodurch verlieren wir jedes Jahr eigentlich mehrere Milliarden Tonnen fruchtbaren Bodens? Die Antwort auf diese Frage ist vielschichtig wie der Boden selbst. Dennoch gibt es einige grundlegende Ursachen, die ich dir im Folgenden kurz erklären möchte.

Monokulturelle Landwirtschaft

Aus Sicht der Landwirte bringt es natürlich einige Vorteile mit sich, wenn auf dem eigenen Ackerland über Jahre die gleiche Pflanzenart wächst – es reicht zum Beispiel das Spezialwissen auf dem einen Gebiet aus. Und es besteht nicht der Druck, viele unterschiedliche Maschinen für die entsprechende Pflanzenart finanzieren zu müssen.

Um langfristig hohe Erträge auf der Basis eines gesunden Bodens zu garantieren, ist die industrielle, monokulturelle Landwirtschaft jedoch keine gute Idee. Denn wohl-überlegte Fruchtfolgen sind die Basis, um der Bodenerosion und Nährstoffverlusten der Böden entgegenzuwirken. Wer schneller produzieren muss, setzt zudem vermehrt künstliche Dünge- und Pflanzenschutzmittel ein, die unsere Böden und auch das Grundwasser vergiften und überbeanspruchen.

Auch die Überweidung spielt für die Bodenerosion eine große Rolle. Davon spricht man zum Beispiel, wenn eine Wiese stärker beansprucht, als sie sich erholen kann. Je größer die Herden auf den Wiesen werden, desto größer ist dann schlussendlich auch die Belastung des Bodens durch Verbiss oder Vertritt.

Andere Umweltprobleme

Die Bodenerosion ist auch eine Folge anderer ökologischer Probleme unserer Zeit, die wir Menschen selbst geschaffen haben.

Die Abholzung von Wäldern hat zum Beispiel einen ganz entscheidenden Anteil am Verlust fruchtbarer Böden. Zum einen, weil die schützenden Kronendächer fehlen, sodass Regenfälle die nährstoffreiche Humusschicht leichter wegspülen können. Zum anderen, weil die massiven Bäume nicht mehr vor Winderosion schützen können. Auch im Boden selbst haben die Wurzeln der Bäume wichtige Aufgaben und halten das Erdreich zusammen. Aber auch die Form der Abholzung ist entscheidend. Moderne Methoden graben leider den gesamten Boden um, während man zum Beispiel mit Rückepferden den Boden möglichst unberührt hinterlassen kann.

Eine entscheidende Ursache der globalen Bodendegradation ist aber vor allem der Klimawandel. Stürme, Überschwemmungen und Dürren nahmen in den letzten Jahrzehnten vermehrt zu. Die Bodenerosion durch Wind und Wasser nimmt dadurch zu – und die Trockenheit sorgt zudem für einen erhöhten Wasserverbrauch, der die globale Wasserknappheit verschärft.

Konsum industrieller Massenware

Wenn Lebensmittel, Kleidung oder andere Güter immer schneller produziert werden müssen und zudem zu erschwinglichen Preisen erhältlich sein sollen, bleiben unsere Böden natürlich nicht unversehrt. Zum Beispiel, weil in ihnen wertvolle Rohstoffe schlummern, die zum Beispiel die seltenen Erden die zur Produktion von Smartphones benötigt werden. Besonders der Pestizid-Einsatz zur schnelleren Produktion von Lebensmitteln oder der Abfluss von Chemikalien aus der Kleiderherstellung vergiften Gewässer und Böden.

Bodenversiegelung

Je mehr Boden wir für unsere Städte und Straßen versiegeln, desto mehr fruchtbare Fläche verlieren wir dauerhaft. Denn die Bodenversiegelung führt in der Regel zu einem Totalverlust der Bodenfunktionen, der permanent ist oder nur durch extrem hohen Aufwand reversibel ist.11)https://umwelt.hessen.de/umwelt-natur/boden/vorsorgender-bodenschutz/bedeutung-gefaehrdung-und-schutz-des-bodens

Folgen der Bodenerosion

Folgen des Umweltproblems der Bodenerosion

Die grundsätzliche Folge der Bodenerosion ist der Verlust fruchtbaren Bodens – doch die Auswirkungen sind so vielseitig, dass es unmöglich ist alle davon zu nennen. Dennoch möchte ich dir einige entscheidende Folgen aufzeigen, um zu verdeutlichen, wie ernst die Lage bei diesem leider wenig diskutierten Umweltproblem tatsächlich ist.

Klimawandel

Unsere Böden bauen organische Substanzen auf oder zersetzen sie. Sie speichern das CO2, das wir durch unsere Lebensweise in die Atmosphäre blasen. Auch die Bäume im Boden wachsen, sind echte Kohlenstoffspeicher – dennoch holzen wir sie ab, setzen das CO2 frei und nehmen den Böden den wichtigsten Schutz vor der Erosion. Ein gesunder Boden ist eine echte Waffe im Kampf gegen den Klimawandel.

Ernteverluste

Der Verlust fruchtbaren Bodens zu extremen Ernteverlusten führt. Wenn Ackerland so sehr übernutzt wird, dass dort keine Pflanzen mehr wachsen können, ist das wenig überraschend. Die Fruchtbarkeit nimmt ab und die Versalzung des Bodens nimmt zu. Dadurch nimmt natürlich auch der Nutzen eines Ackerlandes ab – vor allem im Vergleich zum Nutzen, den es bei einer nachhaltigen, ökologischen Bewirtschaftung erbringen könnte.

Hangrutsche

Als Ranker und Regosol werden geringmächtige Böden bezeichnet, die vor allem in in Hoch- und Mittelgebirgen vorkommen. Diese dünnere, oberste Bodenschicht rutscht durch Wind oder Wasser leichter ab. In Kombination mit den unterschiedlichen Ursachen der Bodenerosion kommt es deshalb immer häufiger zu teils lebensgefährlichen Hangrutschen.

Zunehmende Zahl hungernder Menschen

Der Welthunger ist eines der größten gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit – und wird durch die globale Bodenerosion zunehmend verschärft. Auf der einen Seite verlieren Landwirte große Teile ihres Einkommens und können ihre Familie nicht mehr ernähren. Auf der anderen Seite fehlt es an Nahrungsmitteln, sodass mehr Menschen hungern müssen. Es wird geschätzt, dass jedes Jahr etwa 33,7 Millionen Tonnen Lebensmittel durch den Verlust fruchtbaren Bodens verloren gehen.12)https://www.forbes.com/sites/linhanhcat/2019/05/21/soil-erosion-washes-away-8-billion/#c2318945b6c3 Der Mangel an Nahrung ist zudem einer der Hauptgründe für Hunger, Armut und Flucht – ein gesunder Boden bringt also deutlich mehr Verbesserungspotential mit sich, als man zunächst annehmen mag.

Was tun gegen Bodenerosion?

Bodenerosion - Was tun gegen den Bodenabtrag?

Da das Umweltproblem der Bodenerosion viele unterschiedliche Ursachen hat, kann es auch nur mit unterschiedlichen Ansätzen gelöst werden. Hier können Landwirtschaft, Konsumenten sowie Wirtschaft und Politik nur gemeinsam eine langfristige Lösung bewirken.

Was Landwirte tun können

Wer selbst Landwirtschaft betreibt hat besonders viele Möglichkeiten, um die Bodenerosion einzugrenzen, um damit gleichzeitig auch die eigenen Erträge deutlich zu erhöhen. Hier einige Beispiele:

  • Boden effektiv bedecken (z.B. Untersaaten und Zwischenfrüchte – oder Ernterückstände auf dem Feld lassen)
  • Boden schonen & erhalten (z.B. nicht pflügen, Pflanzen mit verzweigten Wurzeln)
  • Windschutz durch Bäume, Hecken & Erdwälle erhalten oder aufbauen
  • Abwechslungsreiche Fruchtfolge
  • Höhenparalleles Pflügen des Ackers (das Regenwasser kann dann nur schwer den Hang hinab laufen und Bodenteilchen mitreißen)
  • Breite Bereifung der landwirtschaftlichen Maschinen

Wichtig ist es grundsätzlich, den Druck auf den Boden zu verringern und damit auch seine Verdichtung zu erhöhen.

Was Konsumenten tun können

Um die Bodenerosion an der Wurzel zu packen und der industriellen Landwirtschaft, der Abholzung der Wälder und vor allem dem Klimawandel entgegenzuwirken, gibt es in deinem Alltag viele unterschiedliche Ansätze. Hier einige Ideen, mit denen du vom Teil des Problems zu seiner Lösung wirst:

  • Bio, Saisonal & Regional einkaufen: Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft werden bodenfreundlich erzeugt – also ohne Einsatz von giftigen Chemikalien und mit durchdachten, bodenschützenden Konzepten. Indem du auf natürliche Lebensmittel zählst, verringerst du die monokulturelle, industrielle Landwirtschaft, die unseren Böden die Gesundheit raubt.
  • Auf Fleisch verzichten: Indem du deinen Fleischkonsum reduzierst oder einstellst, stoppst du die Abholzung von Wäldern zur Gewinnung neuer Acker- und Weidefläche und legst damit die Grundlage für die Erhaltung der Böden. Es muss weniger Tierfutter produziert werden, sodass du selbst mehr von den pflanzlichen Lebensmitteln genießen kannst. Mehr darüber erfährst du zum Beispiel im Artikel über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Umwelt.
  • Solidarische Landwirtschaft: Bei der sogenannten SoLaWi unterstützt du einen ökologischen Landwirt finanziell dabei, seine Lebensmittel nachhaltig produzieren zu können. Als Gegenleistung erhältst du dafür eben diese Lebensmittel.

Grundsätzlich kannst du zur Lösung aller ökologischen und gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit beitragen, indem du einen Alltag umweltbewusster gestaltest. Schaue doch dazu gerne in den Artikel mit den besten Tipps für ein nachhaltiges Leben hinein.

Was die Politik tun muss

Neben Landwirten und Konsumenten ist es vor allem die Aufgabe von Politik und Wirtschaft, den Verlust des Bodens zu bekämpfen. Folgende, politische Maßnahmen können zur Lösung des Problems beitragen:

  • Effektive Maßnahmen gegen illegale Abholzung
  • Erhöhte Subventionen für ökologische Landwirtschaft
  • Intensivierung der Klimaschutzmaßnahmen (z.B. Förderung des Bahnverkehrs und Ausbau der Erneuerbaren Energien)

Hast du noch weitere Ideen, die zur Lösung beitragen können? Dann schreibe doch gern einen Kommentar unter diesem Artikel.

Ist die Bodenerosion aufzuhalten?

Wie das Video beeindruckend darstellt, soll sich das für jeden Erdbewohner verfügbare Ackerland bis zum Jahr 2050 halbieren. Doch wir alle haben die Chance, unsere Fehler zu korrigieren und die Böden von denen das Leben auf dieser Erde abhängig ist, zu retten. Effizienz ist dabei das Stichwort – denn umso besser wir die Böden nutzen, Felder bewässern, Schutzwälle ausrichten, desto größer wird der ökologische und auch wirtschaftliche Ertrag. Vor allem als Konsument kannst du entscheidend dazu beitragen, dass dies getan wird.

Hast du Anregungen oder Fragen zum Umweltproblem der Bodenerosion? Dann hinterlasse mir gern einen Kommentar unter diesem Beitrag. Teile den Artikel auch gerne, damit mehr Menschen aufgeklärt werden.

Beste Grüße,

Christoph von CareElite - Plastikfrei leben

PS.: Schau‘ mal in unserem Umweltschutz Blog vorbei, um noch mehr über Umweltprobleme und deren Lösungen zu erfahren. Lerne zum Beispiel, was Fast Fashion ist und mit welchem einfachen Mitteln du im Alltag nachhaltig mit Mode umgehst.

Ich bin Christoph und unterstütze und organisiere Plastikmüll CleanUps auf der ganzen Welt, um den Plastikmüll aus der Natur zu entfernen. Bei CareElite gebe ich dir zusammen mit anderen umweltbewussten Bloggern Tipps & Tricks für ein natürlich-gesundes und vor allem nachhaltiges Leben, mit fantastischen Natur- und Wildlife-Erlebnissen.Wenn du möchtest, dass wir weiter mit voller Kraft an CareElite arbeiten, kannst du uns gern ein paar Taler für die technische Verbesserung der Webseite, CleanUp-Material und neue aufklärende Blogbeiträge in unsere Kaffeekasse werfen. So oder so - danke, dass du da bist! :-)

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