Ist Seide vegan und nachhaltig?

Ist Seide Vegan und nachhaltig, oder nicht?

Ist Seide vegan, oder nicht? Der weiche, schnelltrocknende und glänzende Faserstoff ist extrem beliebt und nach derzeitigem Wissensstand auch die einzige in der Natur vorkommende textile Endlos-Faser. Blusen, Kleider, Unterwäsche, Hemden, Pyjamas, Tücher, Bettwäsche und sogar Atemschutzmasken bestehen beispielsweise daraus. Die meisten Menschen würden wohl davon ausgehen, dass Tiere bei der Herstellung von Seidenprodukten eher keine Rolle spielen. Doch tatsächlich handelt es sich um ein Textilmaterial mit tierischer Herkunft.

In diesem Artikel möchte ich dir kurz und knapp zeigen, warum klassische Seide nicht für Veganer geeignet ist welche Alternativen uns bereitstehen. Auf geht's!

Warum klassische Seide nicht vegan ist

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Seidenfasern werden aus dem Kokons bzw. dem vor allem aus Proteinen bestehenden Garn der „Seidenraupe“ gewonnen. Sie ist die Larve eines ursprünglich in China beheimateten Schmetterlings, dem Seidenspinner. Die Herstellung findet heute überwiegend in südostasiatischen Ländern wie China, Indien oder Japan statt und ist leider das absolute Gegenteil einer tierfreundlichen Produktion. Und eben aus genau diesen Gründen ist Seide nicht vegan, so klein und „unscheinbar“ die Tiere auch sein mögen.

Was passiert bei der Herstellung von Seide (mit den Tieren)?

Seide ist nicht vegan - Seidenspinner produzieren die Fasern

Die Seidenproduktion in a nutshell: zunächst legt man die Eier des Seidenspinners in geschlossene Behälter in Papier ein. Nach etwa einem Monat beginnen die Seidenraupen dann damit, den Kokon um sich zu spinnen und sich vollständig mit dem „gewünschten“ Seidenfaden zu umhüllen. Im Anschluss brüht man sie lebendig in kochendem Wasser oder tötet sie mit Gas, damit sie nicht als Falter aus dem Kokon ausbrechen und die langen Seidenfäden zerreißen.

Eine Studie der University of Illinois hat ergeben, dass etwa 6.000 Würmer bzw. Seidenraupen getötet werden müssen, um ein Kilogramm Seide herzustellen.₁ Im Herstellungsprozess lässt man aber auch ganz bewusst einige Tiere überleben, damit diese als Seidenspinner aus ihren Kokons schlüpfen und weitere Eier legen, um mehr Seide herstellen zu können.

Dann füttert man die Raupen mit Maulbeerblättern, bis sie etwa 9 Zentimeter groß sind. Des Weitern wählt man zur Produktion einer möglichst hochwertigen Seide nur die gesündesten Raupen aus. Leider ist der Schmetterling gnadenlos überzüchtet worden, sodass er anfällig für Krankheiten und kaum noch flugfähig ist.₂ Diese für uns Konsumenten kaum sichtbare Tierquälerei in der Herstellung lässt wohl nur noch die wenigsten Menschen behaupten, dass Seide vegan sei.

Hinweis: Abseits der Gewinnung von Seidenfasern dienen die Raupen auch als Futtermittel für domestizierte Tierarten, wie Kühe oder Hühner. In manchen Ländern sind sie auch ein direkt verzehrtes, menschliches Nahrungsmittel.

Ist Seide nachhaltig?

Wir sind uns also sicherlich einig, dass Seide nicht vegan ist. Doch lässt sie sich wenigstens mit einem grundsätzlich nachhaltigen Lebensstil vereinbaren?

In der Produktion fressen die Tiere die Blätter des Maulbeerbaums, der für sie angebaut werden muss. Als Bio-Seide wird Seide schon dann bezeichnet, wenn die Tiere kontrolliert biologisch angebaute Maulbeerenblätter als Hauptspeise genießen durften. Etwa 2,8 Billionen Raupen werden jedes Jahr bei der Herstellung von Seide getötet₃ – dementsprechend ist, wie in der klassischen Massentierhaltung, auch die Herstellung von Seide durch den „Umweg Tier“ mit einer vermeidbaren Verschwendung natürlicher Ressourcen verbunden.

Und auch wenn der Seidenstoff grundsätzlich biologisch abbaubar und leicht einfärbbar ist, nagt seine Sensibilität zusätzlich an der Ökobilanz. Seide reißt nämlich sehr schnell und benötigt eine extrem vorsichtige Pflege. Andernfalls landen Seidenprodukte schnell in der Tonne und machen die aufwendige Herstellung inklusive des Tierleids alles andere als nachhaltig.

Welche nachhaltigen und veganen Alternativen gibt es für tierische Seide?

Auch Bio-Seide ist nicht automatisch nachhaltig und grundsätzlich nicht vegan. Wir sollten uns also nach umweltfreundlichen und tierfreundlichen Alternativen umzusehen.

Rayon (Kunstseide) ist beispielsweise ein Material, das man aus natürlich vorkommender Zellulose, wie zum Beispiel den Bambusfasern, gewinnt. Auch Sojaseide, Modal, Tencel oder Lyocell können die beliebten Vorzüge von Seide ersetzen. Wirf beim Einkauf einfach einen genauen Blick auf das Produktlabel oder Frage beim Verkaufspersonal nach, um dich für eine nachhaltige und vegane Alternative für klassische Seide zu entscheiden.

Hinweis: Es gibt auch sogenannte „Peace-Seide“ oder auch „Ahimsa Seide“ bei deren Herstellung der Seidenspinner seinen Kokon leben verlassen darf. Schlussendlich ist der Faden nicht so lang und der Verarbeitungsprozess aufwendiger, was sich wiederum in erhöhten Kosten für den Verbraucher niederschlägt. Zudem handelt es sich ja weiterhin um die Ausbeutung von Tieren.

Zukünftig auf vegane Seide bzw. ihre Alternativen setzen

Raupen des Seidenspinners bei der Herstellung von Seide

Die Proteine verleihen dem Garn der Seidenspinnerraupe seine Geschmeidigkeit. Doch für Veganer, die – soweit wie praktisch umsetzbar – nicht mehr an der Ausbeutung von Tieren partizipieren wollen, sind Seidenstoffe leider ungeeignet. Zudem ist die Produktion auch aus ökologischer Sicht nicht zu empfehlen. Glücklicherweise gibt es viele nachhaltige und vegane Alternativen für Seide, auf die wir in Zukunft für unsere Textilien setzen können.

Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Artikel über den Zusammenhang von Seide und dem Veganismus weiterhelfen konnte. Hast du Fragen oder Anregungen? Dann freue ich mich wie immer auf deinen Kommentar!

Bleib‘ tierfreundlich,

Christoph von CareElite - Plastikfrei leben

PS.: Schau dich gern noch etwas im Tierschutz-Blog um! Dort erfährst du zum Beispiel auch, warum wir Menschen darauf verzichten sollten, dem neuesten Trend nachzugehen und Insekten zu essen. Viel Spaß!

Quellenangaben:
₁ University of Illinois at Urbana-Champaign (2006) : Silkworm (Bombyx mori), Insects and People, 6 Jan.

₂ Animal Ethics: Silk, abrufbar unter https://www.animal-ethics.org/silk. [09.08.2021].

₃ PETA Deutschland e.V.: Was Seide für die Tiere bedeutet (Stand: 22.06.2016), abrufbar unter https://www.petazwei.de/seide. [09.08.2021].

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Christoph Schulz

Ich bin Christoph, Umweltwissenschaftler und Autor - und setze mich hier bei CareElite gegen den Plastikmüll in der Umwelt, den Klimawandel und alle anderen großen Umweltprobleme unserer Zeit ein. Gemeinsam mit weiteren, umweltbewussten Bloggern will ich dir Tipps & Tricks für ein natürlich-gesundes, nachhaltiges Leben sowie deine persönliche Weiterentwicklung an die Hand geben.

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