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Bestäubung von Pflanzen – Wie funktioniert das eigentlich?

Pflanzenbestäubung - Wie funktioniert das?

Wie funktioniert eigentlich die Bestäubung von Pflanzen? Ohne die Befruchtung von Blüten könnten die meisten Pflanzen keine Früchte und Samen bilden – und sich nicht vermehren. Glücklicherweise vollbringen die Natur, aber vor allem Bienen, Fliegen und unzählige weitere Insekten, still und heimlich diese wertvolle Arbeit, die für das Leben auf diesem Planeten unerlässlich ist. Vereinfacht gesagt: je weniger es summt, desto weniger Pflanzen wachsen – und desto geringer fällt auch die Auswahl und Qualität der Lebensmittel von uns Menschen aus.

In diesem Artikel möchte ich dir kurz und knapp die Pflanzenbestäubung erläutern – von der Definition, über Formen, Abläufe, Tiere und ihre Bestäubungsleistung, bis hin zur Bedeutung für unser Leben. Auf geht's!

Vorab findest du hier schon eine kurze Übersicht:

  1. Definition
  2. Arten
  3. Tiere
  4. Bestäubungsleistung
  5. Bedeutung
  6. Schlusswort

Was versteht man in der Pflanzenwelt unter Bestäubung?

Mit der Bestäubung ist im Allgemeinen die Übertragung von Blütenstaub auf die Narbe des Fruchtblattes der Blüte einer anderen oder sogar derselben Pflanze gemeint. Dort bleibt der Pollen kleben und befruchtet die Eizelle. Dieser Prozess ist die Voraussetzung für die Befruchtung einer Pflanze, damit sie Früchte und Samen bilden und sich fortpflanzen kann.₁

Welche Arten der Pflanzenbestäubung gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man die Formen der Pflanzenbestäubung in Fremd- und Selbstbestäubung. Hier möchte ich kurz und knapp erläutern, wie Pflanzen in der Regel bestäubt werden.

Eins vorweg: Es ist ein allgemeiner Irrglaube, dass Pflanzen nur von Insekten befruchtet werden können.

Durch Tiere (Zoophilie)

Die sogenannte Zoophilie ist eine Form der Fremdbestäubung. Pflanzen locken die Bienen, Käfer und andere Kleintiere durch ihr auffälliges Aussehen oder interessante Duftstoffe an, denen bei Berührung die Pollen anhaften.

z.B. Bienen, Käfer oder Vögel

Durch Wind (Anemophilie)

Auch die Anemophilie ist eine Fremdbestäubung. Unzählige Pflanzen werden hierbei jedoch ohne tierische Beteiligung befruchtet – nämlich durch den Wind. Dieser weht den Blütenstaub von Pflanze zu Pflanze. Das funktioniert, weil windblütige Pflanzen Unmengen an Pollen und damit einhergehend eine hohe Wahrscheinlichkeit der gegenseitigen Bestäubung haben. Schlussendlich führt die große Pollenanzahl bei vielen Menschen auch zu Allergien.

z.B. Gräser, Brennnessel und Kiefer

Durch Wasser (Hydrophilie)

In der Unterwasserwelt gibt es keinen Wind. Dafür herrschen dort andere, natürliche Kräfte, die sich Pflanzen zunutze machen. Viele Unterwasserpflanzen pflanzen sich vor allem mithilfe von Strömungen und Wellen fort. Auch das ist eine Form der Fremdbestäubung.

z.B. Algen

Hinweis: Viele Wasserpflanzen haben ihre Blüten an der Wasseroberfläche. Das ist es zum Beispiel beim flutenden Hahnenfuss der Fall. Seine Bestäubung erfolgt durch Insekten oder durch Selbstbestäubung.

Durch den Menschen (Antropophilie)

Wie zu erwarten war, haben auch wir Menschen eine Form der Fremdbestäubung entwickelt, um Pflanzen künstlich zu vermehren. Vor allem, um eine schnellere Pflanzenzüchtung zu ermöglichen und nicht von der zufälligen, natürlichen Bestäubung abhängig zu sein – aber auch aus einer Not heraus. Denn das Insektensterben trägt entscheidend dazu bei, dass die Bestäubungsleistung und damit auch der Ernteertrag abnimmt.

z.B. durch Menschenhand mit einem Pinsel oder mit Robotern und Drohnen; in vielen Teilen Chinas bereits heute notwendig (siehe hier)

Durch Selbstbefruchtung (Autogamie)

Viele Pflanzen sind auch in der Lage, sich selbst zu befruchten. Sie produzieren in ihren Staubbeuteln Pollen und befördern diesen unmittelbar an die Narbe ihrer eigenen Blüte. Diese autogame Art und Weise der Fortpflanzung gilt dementsprechend als Selbstbestäubung.

z.B. Brombeere, Erdbeere, Gerste, Bohne und Erbse

Welche Tiere bestäuben welche Pflanzen?

Bestäubung von Pflanzen durch Tiere

Wind, Wasser, Menschenhand – die beschrieben Befruchtungsformen von Pflanzen sind relativ selbsterklärend. Doch die Bestäubung durch Tiere lässt natürlich die Frage offen, welche wer sich da genau angeeignet hat, Pflanzen zu bestäuben. Hier habe ich dir eine kleine Liste von tierischen „Bestäubern“ zusammengestellt:

  • Wildbienen (z.B. Kaffee, Erdbeeren, Äpfel, Raps oder Birnen)
  • Honigbienen (z.B. Thymian, Himbeere oder Wildrose)
  • Ameisen (z.B. Buchweizen oder Kirschen)
  • Fliegen (z.B. Kirschen, Fenchel oder Birnen)
  • Wespen (z.B. Efeu oder Braun- und Ragwurz)
  • Schmetterlinge (z.B. Buchweizen, Frühlings-Platterbse oder Hornklee)
  • Motten (z.B. Geißblatt oder Butterblume)
  • Käfer (z.B. Kirschen oder Engelwurz)
  • Kolibris (z.B. Fuchsien oder Kakteen)
  • Gecko (z.B. bei neuseeländischem Flachs)

Im Laufe der Evolution haben sich vor allem Insekten perfekt auf ihre Arbeitsleistung in der Natur eingestellt – und auch viele Pflanzenarten haben Strategien entwickelt, um die Tiere anzulocken, die in der Lage sind, sie zu bestäuben.

Wie groß ist die Bestäubungsleistung von Tieren?

Nun wissen wir viel über die Bestäubung selbst – doch wie wichtig ist dieser Prozess eigentlich? Sind wir Menschen wirklich von der Arbeit der Insekten oder des Windes abhängig? Hier sind aussagekräftige Zahlen und Fakten rund um die Pflanzenbestäubung:

  • Bis zu 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge im Pflanzen- und Obstanbau in Deutschland sind von der Bestäubung durch Bienen abhängig.₂
  • Bienen bestäuben etwa 72 Prozent der 100 wichtigsten Nutzpflanzen in Deutschland.₂
  • An einem Tag fliegt eine Honigbiene bis zu 30 Mal aus und besucht 200 – 300 Blüten pro Flug.₃
  • Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung liegt bei rund 2 Milliarden Euro jährlich in Deutschland und 70 Milliarden US-Dollar weltweit.₄

Warum ist vor allem die Pflanzenbestäubung durch Insekten so wichtig?

Eine Biene bestäubt eine Pflanze

Ohne die Bestäubung durch Bienen, Fliegen, Käfer und andere Insekten könnte sich nur noch ein kleiner Teil der wilden und kulturell angebauten Pflanzenwelt fortpflanzen. Doch besonders der Klimawandel, die versiegelten, überdüngten und vergifteten Böden, die intensive Land- und Forstwirtschaft, sowie private, graue Schottergärten, nehmen den Tieren die Lebensgrundlage. Wie zu erwarten war, hat die Zahl der meisten Insektenarten rasant abgenommen und das Szenario einer Welt ohne Insekten realistischer gemacht.

Ein Szenario übrigens, das fatale Folgen für natürliche Ökosysteme und uns Menschen mit sich bringt. Ohne die Bestäubungsleistung der Insekten gibt es weniger Unterschlupf und Nahrung für zahlreiche Lebewesen. Außerdem sind die Insekten selbst eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel, weshalb ihr Rückgang auch ganz grundsätzlich das globale Artensterben vorantreibt.

Außerdem ist ein Großteil der am häufigsten angebauten Kulturpflanzen in unterschiedlichem Ausmaß auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen. So würden beispielsweise die Ernteerträge von Erdbeeren, Kirschen, Kaffee oder Raps um bis zu 90 Prozent einbrechen.₅

Wir Menschen sind schlichtweg abhängig von der Pflanzenbestäubung durch Insekten. Und allein schon deshalb müssen wir alles dafür tun, um das Insektensterben zu stoppen.

Pflanzenbestäubung – Von essentieller Bedeutung für das (Über-)Leben auf der Erde

Tiere leisten fast unbemerkt eine großartige Arbeit, die entscheidend für das Leben auf der Erde ist. Die Bestäubung von Pflanzen schafft Deckung und Unterschlupf für Tiere – und ein breites, pflanzliches Nahrungsangebot für alle Lebewesen einschließlich uns Menschen. Umso alarmierender ist es, dass die Zahl der Insekten zu Boden sinkt.

Was man als Einzelner dagegen unternehmen kann? Hier sind einige weiterführende Artikel, die dein Leben etwas bestäubungs- bzw. insektenfreundlicher machen könnten:

Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Artikel über die Bestäubung von Pflanzen weiterhelfen konnte. Hast du Fragen, Tipps oder Anregungen? Dann freue ich mich auf deinen Kommentar.

Bleib‘ nachhaltig,

Christoph von CareElite - Plastikfrei leben

PS.: Mit einem nachhaltig angelegten Garten kannst du beispielsweise dazu beitragen, dass die Zahl der Insekten und damit auch die Bestäubungsleistung wieder zunimmt. Wie das in der Praxis funktioniert, erfährst du im verlinkten Beitrag!

Quellenangaben:
₁ Universität Hamburg: Bestäubung, abrufbar unter https://www.sign-lang.uni-hamburg.de/galex/konzepte/l70.html. [13.04.2021].

₂ Romina Rader, Ignasi Bartomeus, Lucas A. Garibaldi (2015); u.a.: Non-bee insects are important contributors to global crop pollination, abrufbar unter https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1517092112. [13.04.2021].

₃ Deutscher Imkerbund e.V.: Bienen als Bestäuber – Der Vorgang der Bestäubung, abrufbar unter https://deutscherimkerbund.de/164-Der_Vorgang_der_Bestaeubung. [13.04.2021].

₄ Deutscher Imkerbund e.V.: Bienen als Bestäuber – Zahlen, die zählen – Bestäubungsleistung im Überblick, abrufbar unter https://deutscherimkerbund.de/163-Bienen_Bestaeubung_Zahlen_die_zaehlen [13.04.2021].

₅ NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.: Kleine Tierchen mit großer Leistung, abrufbar unter https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/tiere/insekten/22683.html. [13.04.2021].

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Christoph Schulz

Christoph Schulz

Ich bin Christoph, Umweltwissenschaftler und Autor - und setze mich hier bei CareElite gegen den Plastikmüll in der Umwelt, den Klimawandel und alle anderen großen Umweltprobleme unserer Zeit ein. Gemeinsam mit weiteren, umweltbewussten Bloggern will ich dir Tipps & Tricks für ein natürlich-gesundes, nachhaltiges Leben sowie deine persönliche Weiterentwicklung an die Hand geben.

1 Gedanken zu „Bestäubung von Pflanzen – Wie funktioniert das eigentlich?“

  1. Ich gebe es zu: als ich (übrigens bei trusted blogs) die Überschrift dieses Beitrags las, dachte ich im ersten Moment: „Ernsthaft? Ein Artikel über Bestäubung?“ – Und nun muss ich sagen: Chapeau! Ich habe einiges gelernt und finde den Beitrag wirklich klasse. Danke Dir dafür, Christoph!

    Beste Grüße
    Eddy

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