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Klimaneutral – Was bedeutet das und wie erreichen Unternehmen wirklich Klimaneutralität?

Klimaneutral – Was bedeutet das eigentlich?

Du willst wissen, was man unter Klimaneutralität versteht? Dann bist du hier genau richtig! Aussagen wie „100% klimaneutral“ oder „bis 2050 werden wir klimaneutral sein“ klingen super – und sind dir sicher auch schon hier und da im Alltag bei begegnet.

Der Begriff „klimaneutral“ suggeriert: Hier wird kein Schaden fürs Klima verursacht und das jeweilige Unternehmen oder Produkt hilft dabei, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Doch leider stimmt das in den seltensten Fällen, da es sich um dreistes Greenwashing handelt oder dennoch CO2-Emissionen entstehen. Auch deshalb herrscht um den Begriff eine große Verwirrung.

In diesem Artikel möchte ich dir deshalb kurz und knapp erklären, was Klimaneutralität wirklich bedeutet, warum der Begriff kritisch zu sehen ist und weshalb neue Regeln wie die EmpCo-Richtlinie dafür sorgen sollen, dass die simple Behauptung „klimaneutral“ ui sein, nicht länger nur ein wohlklingendes Schlagwort bleibt. Auf geht's!

Vorab findest du hier schon eine kurze Übersicht über den Artikel:

  1. Definition
  2. Kritik
  3. Unternehmenskommunikation
  4. EmpCo-Richtlinie
  5. Wie erreichen?
  6. Schlusswort

Was versteht man unter Klimaneutralität?

Klimaneutralität bedeutet, dass die durch eine Aktivität verursachten Treibhausgasemissionen bilanziell ausgeglichen werden. Emissionen werden dabei vermieden, reduziert oder – wenn sie unvermeidbar sind – kompensiert. Klimaneutral beschreibt also ein rechnerisches Gleichgewicht und nicht den Zustand ohne Emissionen.

Wenn vom Erreichen der Klimaneutralität die Rede ist, soll ein Gleichgewicht zwischen Kohlenstoffemissionen und der Aufnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre in sogenannten Kohlenstoffsenken hergestellt werden. Dazu zählen etwa Wälder, Böden oder Ozeane, die Treibhausgase binden.

Wichtig: Klimaneutral heißt nicht emissionsfrei. In der Praxis entstehen weiterhin Treibhausgase, etwa durch Produktion oder Transport. Zudem ist Klimaneutralität nicht mit CO₂-Neutralität gleichzusetzen, da auch andere Treibhausgase wie Methan zur Erderwärmung beitragen.

Klimaneutralität in der Unternehmenskommunikation

Besonders Unternehmen stehen unter Druck, ihr Handeln nachhaltiger zu gestalten. Viele nachhaltig wirtschaftende Unternehmen investieren tatsächlich in Effizienz, erneuerbare Energien und neue zukunftsorientierte Prozesse. Andere hingegen setzen vor allem auf Ausgleichsmaßnahmen durch Klimaschutzorganisationen, ohne ihre Emissionen spürbar zu senken.

Nehmen wir einen Mehrweg-Kaffeebecher als Beispiel für ein klimaneutrales Produkt: Das eine Unternehmen stellt gezielt seine Produktion und Logistik um, das andere gleicht seine Emissionen lediglich über Zertifikate aus. Beide Wege können bilanziell als klimaneutral gelten, da rechnerisch weniger CO₂ in die Atmosphäre gelangt – ökologisch sind sie jedoch nicht gleichwertig. Im ersten Fall sinken die Emissionen langfristig, im zweiten wird die dringend nötige Entwicklung CO₂-armer Produkte verzögert, sodass zukünftige Generationen die Kosten tragen.

Ein „klimaneutral“-Label sagt also wenig darüber aus, ob ein Unternehmen strukturell etwas verändert oder lediglich kompensiert. Für dich als Konsument:in ist dieser Unterschied leider kaum zu erkennen.

Warum ist der Begriff „klimaneutral“ so umstritten?

Der Begriff "klimaneutral" in der Kritik

Das Problem liegt weniger im Ziel als in der Kommunikation. „Klimaneutral“ klingt eindeutig, ist es aber nicht. Für Verbraucher:innen ist oft nicht erkennbar, wie Klimaneutralität erreicht wird. Wurden Emissionen tatsächlich reduziert? Oder lediglich kompensiert? Und wenn ja, in welchem Umfang?

Kritik kommt deshalb seit Jahren vor allem Umweltverbänden, wie beispielsweise der Deutsche Umwelthilfe. Die Organisation bemängelt, dass Werbung mit Klimaneutralität Verbraucher:innen in die Irre führt, da der Begriff häufig verwendet wird, ohne ausreichend zu erklären, was konkret dahintersteckt.

In der Praxis bedeutet klimaneutral oft: Klimaschädliche Emissionen entstehen weiterhin, werden aber durch Zertifikate bzw. CO2-Kompensation ausgeglichen. Das ist rechtlich lange zulässig gewesen – ökologisch aber in den seltensten Fällen sinnvoll. Zudem wird Greenwashing Tür und Tor geöffnet. Klimaneutral wird so schnell zu einem Marketingversprechen, statt zu einem ernsthaften und notwendigen Transformationsziel.

Die EmpCo-Richtlinie: Schluss mit pauschalen Klimaversprechen

Mit der sogenannten EmpCo-Richtlinie (Empowering Consumers for the Green Transition), einer erweiterten Informations- und Nachweispflicht für Umweltwerbung, reagiert die EU auf die beschriebene Problematik. Ziel ist es, Verbraucher:innen besser vor irreführenden Umweltversprechen zu schützen.

Konkret bedeutet die Richtlinie: Unternehmen dürfen künftig nicht mehr pauschal behaupten, klimaneutral zu sein, wenn diese Aussage ausschließlich auf Kompensationsmaßnahmen basiert. Allgemeine Aussagen wie „klimaneutral“ oder „CO2-neutral“ sind ohne klare, überprüfbare Belege unzulässig. Stattdessen müssen Unternehmen offenlegen, worauf sich eine Umweltaussage konkret bezieht, wie sie zustande kommt und ob gesetzliche oder normative Vorgaben die beworbene Umweltleistung bereits verlangen. Nachhaltigkeitskommunikation erfordert damit eine vorherige Prüfung und belastbare Nachweise.

Die ab September 2026 geltende EmpCo-Richtlinie sorgt auf diese Weise dafür, dass Nachhaltigkeitsaussagen in Zukunft nachweisbar, glaubwürdig und distinktiv sein werden. Klimaneutralität kann dann kein leeres Versprechen mehr sein. Für Unternehmen bedeutet das mehr Verantwortung – für dich als Verbraucher:in mehr Klarheit.

Wie erreichen wir Klimaneutralität?

Wenn Klimaneutralität glaubwürdig sein soll, folgt sie also einem klaren Prinzip: Vermeiden vor reduzieren, reduzieren vor kompensieren.

Der erste Schritt ist immer die Analyse der eigenen Emissionen. Darauf folgt die konsequente Reduktion – etwa durch effizientere Prozesse, erneuerbare Energien oder veränderte Lieferketten. Erst wenn Emissionen technisch oder wirtschaftlich nicht vermeidbar sind, kommt Kompensation ins Spiel.

Seriöse Klimastrategien sind langfristig angelegt. Sie setzen nicht auf einmalige Zertifikate, sondern auf kontinuierliche Verbesserungen. Transparenz spielt dabei eine zentrale Rolle: Wer klimaneutral sein will, muss erklären können, wie dieser Zustand erreicht wird – nicht nur behaupten, dass er existiert.

Klimaneutralität ist ein langfristiger Prozess – und kein Etikett

Wie sich vielleicht herauskristallisiert hat, beschreibt Klimaneutralität einen steinigen Weg, den Unternehmen gehen müssen. Sie setzt voraus, dass Emissionen systematisch vermieden und reduziert und nicht allein rechnerisch ausgeglichen werden.

Für uns Verbraucher:innen heißt das: genauer hinschauen lohnt sich. Und für Unternehmen gilt mehr denn je: Klimaschutz beginnt nicht beim Label, sondern bei den eigenen Entscheidungen.

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Albert Einstein (mehr unter Zitate über Veränderung)

Hast du Fragen, Tipps oder Anregungen rund ums Thema Klimaneutralität? Dann freue ich mich auf deinen Kommentar unter diesem Artikel.

Bleib nachhaltig,

Christoph von CareElite - Plastikfrei leben

PS: Du willst wissen, wie du deinen Alltag klimafreundlicher gestalten kannst? Dann schau als Nächstes unbedingt in den verlinkten Artikel. Viel Spaß bei der Umsetzung!

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Christoph Schulz

Christoph Schulz

Ich bin Christoph, Umweltwissenschaftler, Aktivist und Autor und setze mich hier bei CareElite gegen die Umweltprobleme unserer Zeit und für eine möglichst bewusste und nachhaltige Lebensweise in unserer Gesellschaft ein.

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