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Warum sind vegane Ersatzprodukte so teuer?

Warum sind vegane Ersatzprodukte so teuer? 6 Gründe für Preisunterschiede

Warum sind vegane Ersatzprodukte so teuer? Mit hoher Wahrscheinlichkeit ging dir diese Frage durch den Kopf, als du vor Kurzem wieder am Kühlfach deines Lieblingssupermarkts vorbeigestiefelt bist. Und sie ist absolut berechtigt. Während ein Liter Kuhmilch für 1,19€ erhältlich ist, kostet die pflanzliche Alpro Hafermilch 1,59€ – also 40 Cent mehr. Auch die ja! Rindfleisch Burgerpatties kosten pro Kilogramm 11,23€ – während du für vegane Pendants im gleichen Supermarkt 12,29€ pro Kilogramm hinblättern musst. Der Eindruck, vegane Ersatzprodukte wären teurer, kommt also nicht von ungefähr. Doch warum ist das so?

In diesem Artikel möchte ich dir kurz und knapp sechs Gründe dafür vorstellen, dass pflanzliche Fleischersatzprodukte – und vegane Alternativen für tierische Lebensmittel im Allgemeinen – oft etwas preisintensiver sind. In dem Zuge erfährst du auch direkt, warum diese Preisunterschiede nicht mehr allzu lange Bestand haben werden. Auf geht's!

Vorab findest du hier schon einen kurzen Überblick:

  1. Das Angebot für pflanzliche Ersatzprodukte ist noch nicht so groß
  2. Die Absatz- und Produktionsmengen von Ersatzprodukten sind noch zu klein
  3. Die Erzeugung tierischer Lebensmittel wird staatlich subventioniert
  4. Tiere werden so günstig wie möglich gezüchtet, gehalten und geschlachtet
  5. Anbieter pflanzlicher Lebensmittel setzen vermehrt auf gesündere Inhaltsstoffe
  6. Tierische Lebensmittel werden mit dem gemäßigten Steuersatz besteuert

Tipp: Warum die vegane Ernährungsweise grundsätzlich nicht so teuer ist, wie viele denken, habe ich in einem anderen Artikel erläutert. Lediglich die veganen Fertig- und Ersatzprodukte sind verhältnismäßig teuer. Und um die Gründe dafür soll es hier und heute gehen.

1. Das Angebot für pflanzliche Ersatzprodukte ist noch nicht so groß

Vegane Ersatzprodukte sind aufgrund des geringen Angebots teurer

Fleischersatz, Milchersatz und andere vegane Alternativprodukte gibt es (in der heutigen Form) noch gar nicht so lange, wie es Tierfleisch und Kuhmilch gibt – dementsprechend muss auch das Angebot erst einmal wachsen und sich auf dem Markt beweisen.

15 Prozent der Lebensmittel- und Getränkeeinführungen in Deutschland wurden zwischen Juli 2017 bis Juni 2018 als vegan ausgezeichnet. Fünf Jahre zuvor waren es nur etwa 4 Prozent.₁ Doch auch wenn das Angebot stetig und rasant wächst, ist es insgesamt immer noch wesentlich kleiner als das Angebot tierischer Produkte. Steigt das Angebot veganer Alternativen jedoch weiter so rasant (weil die Nachfrage hoch bleibt), wird der Preis aufgrund der wachsenden Konkurrenz im Laufe der Zeit auch günstiger.

2. Die Absatz- und Produktionsmengen von Ersatzprodukten sind noch zu klein

Das Statistische Bundesamt teilte mit, dass die Unternehmen in Deutschland im Jahr 2021 knapp 17 Prozent mehr Fleischersatzprodukte produzierten, als im Vorjahr. Verglichen zum Jahr 2019 erhöhte sich die Produktion sogar um mehr als 62 Prozent.₂ Das liegt vor allem an der wachsenden Nachfrage, die gemeinsam mit dem Angebot den Preis bestimmt.

Doch die Absatzzahlen für vegane Ersatzprodukte sind immer noch kleiner, als die, für tierische Lebensmittel. Und wenn man weniger produziert, sind die unternehmerischen Kosten pro Produkt einfach etwas höher. Die wachsende Nachfrage verspricht aber größere Produktionszahlen – und die wiederum versprechen günstigere Preise.

3. Die Erzeugung tierischer Lebensmittel wird staatlich subventioniert

Die Erzeugung tierischer Lebensmittel wird staatlich gefördert

Der Schnittpunkt von Angebot und Nachfrage bestimmt das Marktgleichgewicht – doch der Staat hat trotzdem diverse Möglichkeiten, um in den Markt einzugreifen. Zum Beispiel, indem er die Massentierhaltung durch die Zahlung von Fördergeldern künstlich wirtschaftlich bzw. „am Leben“ erhält. Ohne diese Finanzspritze müssten Agrarbetriebe wesentlich mehr Geld einnehmen, was nur über höhere Preise für Fleisch, Milch, Eier und andere tierische Produkte zu gewährleisten wäre.

Du fragst dich, warum veganer Käse so teuer oder etwas teurer ist, als konventioneller Käse auf Kuhmilchbasis? Das liegt schlussendlich auch daran, dass der deutsche Staat die Tierindustrie mit mindestens 13 Milliarden Euro jährlich fördert.₃ (da die Datenlage intransparent ist, dürfte der tatsächliche Betrag wesentlich höher sein)

4. Anbieter pflanzlicher Lebensmittel setzen vermehrt auf gesündere Inhaltsstoffe

Warum sind vegane Ersatzprodukte so teuer? Auch, weil die Inhaltsstoffe häufiger aus biologischer Landwirtschaft stammen und etwas kostspieliger angebaut werden. Der Grund dafür ist wiederum vor allem, dass vegan lebende Menschen umwelt- und gesundheitsbewusstere Konsumenten sind – und sich die Hersteller und Anbieter eben auf diese Zielgruppe eingestellt haben.

5. Tiere werden so günstig wie möglich gezüchtet, gehalten und geschlachtet

Die Tierindustrie funktioniert nur noch mit dem Prinzip: möglichst viel, möglichst billig. Bei der Haltungsstufe 1 teilen sich beispielsweise 26 Hühner einen Quadratmeter Fläche. Ein Schwein hat etwa 0,75 Quadratmeter im Stall zur Verfügung.₄ Die „billigen“ Preise anbieten zu können, ist schlussendlich nur auf (zusätzliche) Kosten der Tiere möglich.

Dementsprechend steigen immer mehr Kleinbetriebe aus der Tierhaltung aus – bis irgendwann nur noch die großen Agrarkonzerne übrig sind. Die wachsende Ansprüche an das Tierwohl (z.B. mehr Platz für Tiere in Ställen) lassen jedoch auch für diese Unternehmen – und schlussendlich natürlich auch für Konsumenten – unvermeidbar höhere Preise erwarten.

6. Tierische Lebensmittel werden mit dem gemäßigten Steuersatz besteuert

Pflanzliche Ersatzprodukte unterliegen dem allgemeinen Steuersatz

Warum sind vegane Lebensmittel so teuer? Vor allem, weil der Staat Produkte wie Sojamilch und vegane Burgerpatties mit dem Allgemeinen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent besteuert. Die Preise für Fleisch und andere Produkte tierischen Ursprungs enthalten hingegen nur den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent.

Immer mehr Institutionen und Organisationen (wie z.B. das Umweltbundesamt) fordern eine Erhöhung der Steuern für Fleisch, Milch und Eier, sowie eine ermäßigte Steuer für pflanzliche, umwelt- und klimafreundlichere, tierfreundlichere und gesündere Lebensmittel.₅ Auf diese Weise werden vegane Ersatzprodukte schlussendlich wesentlich preiswerter – und vermutlich im Laufe der Zeit auch günstiger als ihre tierischen Pendants.

Warum vegane Ersatzprodukte so teuer sind? Weil sie höher besteuert nicht staatlich gefördert werden

Agrarbetriebe mit Tierhaltung erhalten nicht nur staatliche Subventionen – ihre Produkte besteuert der Staat auch noch mit 12 Prozent weniger Mehrwertsteuer. Wie absurd, wenn man doch eigentlich eine Agrar- und Energiewenden einleiten will, oder? Hinzu kommt, dass vegane Alternativprodukte noch recht neu auf dem Markt sind und in der Sparte (noch) kein allzu starker Konkurrenzkampf herrscht.

Wir halten fest: Ja, pflanzliche Ersatzprodukte sind im Vergleich zu vielen Tierprodukten TEURER, was uns sowohl hinsichtlich des Tierwohls als auch hinsichtlich der Fleischqualität ziemlich nachdenklich stimmen sollte. Ob vegane Alternativen aber auch TEUER sind, ist eine andere Frage. Fest steht jedoch, dass Fleisch viel zu billig ist – und dass diese Situation nicht mehr lange Bestand haben kann.

Die Preisunterschiede sind schon heute schon wesentlich geringer als noch vor 10 Jahren – und werden sich in den nächsten Jahren aufgrund steigender Nachfrage, steigenden Angebots, geringerer bzw. höherer Besteuerung, steigender Tierwohlansprüche sowie entfallender Subventionen für die Massentierhaltung, umkehren.

Achso noch etwas, dass nicht untergehen sollte: man kann übrigens auch ohne Ersatzprodukte sehr gut vegan leben. Wie das funktioniert, erläutere ich dir in einem separaten Artikel.

Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Artikel eine ausführliche Auskunft zu den Gründen für verhältnismäßig hohe Preisen von veganen Ersatzprodukten geben konnte. Hast du Fragen, Tipps oder Anregungen? Dann freue ich mich auf deinen Kommentar!

Bleib‘ tierfreundlich,

Christoph von CareElite - Plastikfrei leben

PS.: Durch eine vegane Lebensweise sorgst du dafür, dass die Preise für Fleischersatz, veganen Käse und pflanzliche Milchalternativen in Zukunft sinken. Noch unentschlossen? Unter warum vegan leben, erläutere ich dir jetzt meine persönlichen Motive dafür.

Quellenangaben:

₁ Mittel Reports Deutschland: Deutschland dominiert weiterhin bei veganen Produkteinführungen (Stand: 30.06.2018), abrufbar unter https://de.mintel.com/pressestelle/deutschland-dominiert-weiterhin-bei-veganen-produkteinfuehrungen. [21.06.2022].

₂ Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. N 025; Fleischersatz weiter im Trend: Produktion stieg 2021 um 17 % gegenüber dem Vorjahr (09.05.2022), abrufbar unter https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/05/PD22_N025_42.html. [21.06.2022].

₃ Peter Carstens: Studie – Deutschland fördert die Tierindustrie mit mehr als 13 Milliarden Euro jährlich (Stand: 05.03.2021), abrufbar unter https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/24116-rtkl-billiges-fleisch-studie-deutschland-foerdert-die-tierindustrie-mit. [21.06.2022].

₄ Ulrich Zillmann: Was bedeuten die Haltungsstufen bei Fleisch? (Stand: 02.07.2021), abrufbar unter https://www.bayern3.de/was-bedeuten-die-haltungsstufen-bei-fleisch-2. [21.06.2022].

₅ Umweltbundesamt: Für Klima und Umwelt: Tierische Produkte höher besteuern, abrufbar unter https://www.umweltbundesamt.de/fuer-klima-umwelt-tierische-produkte-hoeher. [21.06.2022].

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Christoph Schulz

Ich bin Christoph, Umweltwissenschaftler und Autor - und setze mich hier bei CareElite gegen den Plastikmüll in der Umwelt, den Klimawandel und alle anderen großen Umweltprobleme unserer Zeit ein. Gemeinsam mit weiteren, umweltbewussten Bloggern will ich dir Tipps & Tricks für ein natürlich-gesundes, nachhaltiges Leben sowie deine persönliche Weiterentwicklung an die Hand geben.

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