Vegan auf dem Jakobsweg - Meine besten Tipps

Vegan auf dem Jakobsweg – So hat es geklappt!

Julian Hölzer Blog, Ernährung, Reisen, Vegan Leave a Comment

Geändert am 23. Juni 2020

Ich war im September und Oktober auf dem Küstenweg des Jakobswegs und teile meine Erfahrungen mit dir, wie du vegan auf dem Jakobsweg zurechtkommst. Eines kann ich dir vorab sagen: du wirst als Veganer auf dem Jakobsweg nicht nur nicht verhungern, sondern auch viele andere Veganer kennenlernen. Ich war wirklich erstaunt, wie viele Veganer auf dem Jakobsweg unterwegs waren und ich war in der Nebensaison unterwegs. Wenn du nicht den ganzen Artikel lesen möchtest, befindet sich am Ende des Artikels eine Liste mit Essentials für gesunde Ernährung auf dem Jakobsweg.

Eines meiner größten Highlights auf dem Jakobsweg war die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Spanier. Um dir vegane Ernährung auf dem Jakobsweg zu erleichtern, ist es also eine gute Idee ein paar spanische Phrasen zu lernen, um kommunizieren zu können, was du isst und was nicht. Mehr dazu später.

Gesunde Ernährung auf dem Jakobsweg kann sehr einfach und auch ausgewogen sein, wenn du täglich die fünf großen Lebensmittelgruppen Nüsse & Samen, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Obst und Gemüse in deine Mahlzeiten integrierst. Wie das auf dem Jakobsweg klappt, zeige ich dir im Artikel.

  1. Frühstücken
  2. Snacks
  3. Mittagessen
  4. Abendessen
  5. Vokabular
  6. Herbergen
  7. Einkaufen
  8. Glutenfrei
  9. Ausstattung
  10. Schlusswort

Tipp: Allgemeine Tipps für deinen veganen Urlaub findest du im Artikel Vegan im Urlaub.

Vegan auf dem Jakobsweg

Vegan frühstücken auf dem Jakobsweg

Fangen wir mit dem Frühstück auf dem Jakobsweg an. Die spanische Frühstückskultur ist sehr weit von dem entfernt, was ich persönlich als gutes Frühstück empfinde. Meistens gibt es Toast, süßes Brot, Crossaints oder andere Gebäckstücke mit Marmelade. Für mich persönlich ist das zu wenig Nährwert und zu viel Zucker, weshalb ich beim Frühstück meistens auf Selbstversorgung umgestiegen bin, was in der Regel auch günstiger ist.

Mein Frühstück hatte meistens die gleiche Basis: Haferflocken, Sojamilch oder heißes Wasser und Obst. Sojamilch findest du fast überall, selbst in kleineren Läden. Und falls es mal keine Sojamilch gibt, hat so ziemlich jede Herberge einen Wasserkocher, damit du die Haferflocken mit heißem Wasser übergießen kannst.

Jeden Tag das gleiche Frühstück klingt erstmal eintönig, durch die Vielfalt an Obst in Spanien, konnte ich etwas Abwechslung in mein Frühstück bringen. In manchen Herbergen gab es Zimt, den ich dann gerne benutzt habe, um mein Frühstück aufzupeppen. Ab und zu habe ich auch Cashews oder Walnüsse mit in mein Müsli gemischt.

Mit einer großen Portion Haferflocken, Sojamilch und Obst deckst du schon mal einen großen Teil deines Kohlehydratbedarfs fürs Wandern und isst gleichzeitig schon eine ordentliche Menge Protein. Mit Hafer, Soja, Obst und eventuell Nüssen hast du bereits in einer Mahlzeit vier Lebensmittelgruppen integriert: Getreide, Hülsenfrüchte, Obst und Nüsse/Samen. Gesunde, vegane Ernährung auf dem Jakobsweg kann ganz einfach sein.

Snacks für zwischendurch

Ich habe aus Deutschland ein paar Energieriegel mitgebracht. Wenn du Energieriegel selber machst, kannst du dir auch die Plastikverpackung sparen und die Energieriegel in einer Edelstahldose mitbringen. Eine Edelstahldose bietet sich übrigens sowieso an, wenn du dein Müsli mal unterwegs essen möchtest.

Wenn ich mal keine Energieriegel gesnackt habe, dann habe ich entweder Datteln und Nüsse oder Bananen, Nüsse und Zartbitterschokolade gegessen. Mit den Nüssen deckst du einen weiteren Teil deines Proteinbedarfs und nimmst gleichzeitig gesunde Fette zu dir, sodass gesunde Ernährung auf dem Jakobsweg ein Kinderspiel wird.

Abends habe ich auch öfter mal Pistazien gesnackt. Nüsse bieten sich auf jeden Fall an, um den durch das tägliche Wandern erhöhte Kalorienbedarf abzudecken.

Tatsächlich backen die Spanier relativ oft ohne Ei, wenn du Lust auf was Süßes hast lohnt es sich also auch mal nach Keksen zu schauen.

Veganer Mittagessen auf dem Jakobsweg

Mittags habe ich meistens gar nicht so viel gegessen, damit ich keinen zu schweren Magen habe, solange ich noch laufen muss. Entweder hatte ich eine größere Menge an Nüssen und Datteln oder ich hatte kleine und leichte Mahlzeiten.

In Spanien findest du fast überall Gazpacho oder Salmorejo in Tetrapaks, was für unterwegs eine wirklich leckere, gesunde und praktische Mahlzeit ist. Gazpacho bzw. Salmorejo sind leichte Sommersuppen, die in der Regel kühl gegessen werden und normalerweise immer vegan sein sollten. Die beiden Suppen unterscheiden sich lediglich minimal in ihrer Zusammenstellung und Konsistenz.

Eine andere kleine Mahlzeit ist Baguette, Tomaten, Gurken und Hummus, den du in einigen Supermärkten findest. Natürlich kannst du auch irgendein anderes Gemüse benutzen. Mit Baguette, Tomaten, Gurken und Hummus, deckst du gleich wieder drei Lebensmittelgruppen ab: Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchte. Somit trägst du mit dem Mittagessen wieder einen Teil zu deiner gesunden veganen Ernährung auf dem Jakobsweg bei.

Veganer Abendessen auf dem Jakobsweg

Abends kannst du entweder essen gehen oder selbst kochen. Meistens gibt es relativ günstige zwei- bis dreigängige Pilgermenüs zu relativ erschwinglichen Preisen.

Günstiger ist es allerdings, wenn du selbst kochst. Ich habe meistens eine Kombination aus Reis oder Pasta mit Linsen, Kichererbsen oder Bohnen und Gemüse gekocht. Das ist einfach, günstig, schnell und gesund.

Mit der Kombination deckst du wieder mindestens drei Lebensmittelgruppen ab: Hülsenfrüchte, (Vollkorn-)Getreide und Gemüse. Spätestens jetzt solltest du eigentlich alle fünf Lebensmittelgruppen abgedeckt haben, sodass eine gesunde und vegane Ernährung auf dem Jakobsweg wirklich gar kein Problem sein sollte.

Essen gehen und das dazugehörige Vokabular

Falls du doch Essen gehen möchtest, empfehle ich dir, ein kleines bisschen spanisch zu können. Du solltest Sätze wissen wie „no como carne/leche/crema/queso/huevo“ (ich esse kein Fleisch/Milch/Sahne/Käse/Ei) und eventuell auch ein paar Vokabeln, von Lebensmitteln, die du gerne isst, kennen. Zum Beispiel lentiles (Linsen), garbanzos (Kichererbsen), frijoles (Bohnen), arroz (Reis), usw.

Ein Gericht, das in der Regel immer vegan sein sollte, ist die Paella de verduras – Paella mit Gemüse. Im Zweifelsfall kannst du „sin mariscos?“ fragen, um sicherzugehen, dass keine Meeresfrüchte enthalten sind.

Falls es mal den Anschein macht, dass es wirklich nichts Veganes auf der Karte gibt, kannst du als Notfallmenü einfach einen gemischten Salat und Patatas Bravas kombinieren. Patatas bravas sind Kartoffelstücke mit Salsa Brava, eine Soße auf Tomatenbasis, die üblicherweise immer vegan ist.

Vegane Pizza auf dem Jakobsweg

Kurz vor Santiago de Compostela, in Arzuá, gibt es eine Pizzeria namens Il Fornuccio, die außerordentlich leckere vegane Pizza anbietet, z. B. mit Hummus oder Kürbiscreme.

In Santiago de Compostela selbst gibt es eine kleine vegane Bäckerei namens Alice in Wonderpie, die vegane Pizza, Kuchen und Sandwiches zu günstigen Preisen anbietet und mit TS a Casa ein komplett vegetarisches Restaurant, das auch vegane Speisen anbietet. Vegan essen gehen ist auf dem Jakobsweg kein Problem.

Tipps für Herbergen

Die meisten Herbergen, die Mahlzeiten anbieten, bieten sowieso vegan-vegetarische Mahlzeiten an, da die Herbergen versuchen müssen, Kosten zu sparen. Wenn keine Mahlzeiten angeboten werden, solltest du checken, ob es in der Herberge eine Küche gibt, damit du selbst kochen kannst.

In der Herberge „Tu Camino“ in Ontón kurz nach Bilbao gibt es immer vegan-vegetarische Mahlzeiten, wenn du beim Einchecken nach einer veganen Mahlzeit fragst, sollte das kein Problem sein. Auf Nachfrage habe ich morgens von der netten Hospitalera Maria auch Haferflocken bekommen.

Die Herberge in Güemes auf dem Camino del Norte wird von den meisten Pilgern angelaufen, da sie wirklich kultig ist. Für Veganer bietet sie noch mehr Vorteile: es gibt abends ein Pilgermenü, das auf Wunsch gerne vegan zubereitet wird. Außerdem gab es, als ich dort war, vegane Cookies an der Rezeption und ich hatte Glück, dass ein anderer Pilger eine Packung Haferflocken zurückgelassen hatte und ich somit morgens Haferflocken hatte. Hier zeigt sich wieder, dass du nur mit den Spaniern reden musst und dann wird dir geholfen.

Einkaufen gehen

Wie du dir sicher vorstellen kannst, muss man als veganer Pilgerer beim Einkaufen besonders gut aufpassen. Hier sind ein paar Tipps, basierend auf meinen persönlichen Erfahrungen.

Pflanzendrinks

Soja-, Mandel- oder Haferdrinks findet man fast immer, selbst in den kleinsten Dörfern und kleinsten Supermärkten. Nur ganz selten habe ich keine Pflanzendrinks gefunden und musste auf heißes Wasser für meine Haferflocken ausweichen. Haferflocken heißen übrigens „copos de avena“ und sind in kleineren Läden eher schwierig zu finden. Von daher kaufst du am besten in größeren Städten Haferflocken und nimmst sie dann mit.

Vorsicht vor Sonntagen

Zwei Vokabeln, die man oft im Zusammenhang lernt, sind „domingo“ (Sonntag) und „cerrado“ (geschlossen). Im Zweifelsfall deckst du dich also besser samstags mit deinen Essentials ein. Oder du gehst Sonntagabend Essen.

Vorsicht vor Siestas

Die Spanier nehmen ihre Siesta sehr ernst und gerade kleinere Geschäfte schließen über die Mittagszeit. Samstags kann es passieren, dass die Geschäfte nach der Siesta nicht mehr öffnen, deshalb sollte man sich rechtzeitig mit allem was man sonntags braucht eindecken. Am besten informierst du dich, ob auf deinem Weg Städte liegen oder du in einer Stadt übernachtest, damit du deine Einkäufe nicht zu weit tragen musst. In den Städten öffnen die meisten Supermärkte auch Samstagabend und manchmal gibt es sogar 24 Stunden-geöffnete Supermärkte.

Hülsenfrüchte

Wenn du vegan auf dem Jakobsweg unterwegs sein möchtest, sind Hülsenfrüchte meiner Meinung nach ein absolutes Muss. Fertig gekochte Linsen, Bohnen oder Kichererbsen sind in Spanien ziemlich günstig, super praktisch, extrem nährstoffreich und enthalten ordentlich Protein.

Glutenfrei auf dem Jakobsweg

Ich habe mich mit einer jungen Frau aus Neuseeland unterhalten, die Zöliakie hat und sich vegetarisch ernährt. Auch wenn die Spanier viel Baguette und Pasta essen, findet man auch mit einer Glutenunverträglichkeit leckere Alternativen auf dem Jakobsweg. Ich glaube, es ist ähnlich, wie wenn man vegan lebt: Sobald du nach Alternativen suchst, wirst du auch welche finden. Glutenfreie Ernährung auf dem Jakobsweg ist also auch gar kein Problem.

Ausstattung auf dem Jakobsweg

Jetzt habe ich dir so viel erzählt und du hast jede Menge Tipps an der Hand. Die wichtigsten Gegenstände und Lebensmittel für gesunde und vegane Ernährung auf dem Jakobsweg, bin ich dir aber noch schuldig. Diese findest du hier übersichtlich zusammengefasst:

Ich persönlich wollte auf dem Jakobsweg bezüglich der Ernährung ganz sicher gehen und habe von zuhause einen Multivitamin-Mineralstoff-Komplex* mitgebracht, um meine Mikronährstoffe abzudecken. Leider kenne ich solche Supplements aktuell nur in Plastikverpackung. Falls du so ein Nahrungsergänzungmittel im Glas kennst, schreib es gerne in die Kommentare!

Vegan in Santiago de Compostela
Am Ziel angekommen: Die Kathedrale in Santiago de Compostela

Vegan auf dem Jakobsweg zurechtkommen

Falls du vor dem Lesen des Artikels Bedenken hattest, ob du vegan auf dem Jakobsweg zurechtkommst, konnte ich dir hoffentlich ein paar deiner Bedenken nehmen. Wenn du über eine Reise auf dem Jakobsweg nachdenkst, solltest du dich auf jeden Fall trauen und nicht von deinen Bedenken zurückhalten lassen – es lohnt sich!

Außerdem ist es natürlich eine super nachhaltige Reise, den Jakobsweg zu laufen, da du vor Ort keine Verkehrsmittel brauchst und die Anreise ist mit dem Zug auch relativ einfach.

Wenn du generelle oder ernährungsbezogene Fragen zum Jakobsweg hast, dann lass gerne einen Kommentar da und ich versuche dir so gut es geht zu helfen!

Alles Gute,

Julian von CareElite

P.S.: In den Beiträgen Vegetarismus Statistiken und Veganismus Statistiken findest du Zahlen und Fakten über vegan-vegetarische Ernährung und ihre positiven Auswirkungen.

Hi, ich bin Julian und der Veganer hier. Ich mache neben meinem Studium eine Ausbildung zum veganen Ernährungsberater. Mir selbst war lange nicht bewusst, was für einen großen Einfluss unsere Ernährung auf die Umwelt hat. Ich selbst wurde Anfang 2016 auf Veganismus aufmerksam gemacht und es hat mein Leben bereichert. Deshalb möchte ich auch dich inspirieren, dich mit Veganismus zu befassen. Alles Gute, Julian

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