Sand Problem Sandknappheit zu wenig Sand

Ressource Sand – Chance und Bedrohung zugleich

Sand ist seit der Erfindung von Stahlbeton im Jahr 1867 ein Star unter den natürlichen Ressourcen. Baustellen überall auf der Welt würden ohne den unscheinbaren Rohstoff stillstehen. Der Sandabbau ist Chance und Bedrohung zugleich. Hintergründe zum globalen Sandabbau und dessen Folgen für unsere Natur und uns Menschen, möchte ich dir in diesem Artikel genauer erklären.

Hier noch ein kurzes Inhaltsverzeichnis über den Artikel:

  1. Entstehung
  2. Sandknappheit
  3. Folgen
  4. Sandabbau in Asien
  5. Blick in die Zukunft
  6. Zusammenfassung

Sand-Entstehung und Sand-Arten

Was gibt es denn eigentlich für Sand-Arten und wie entsteht Sand überhaupt? Geologen unterscheiden Sand nach der Körnergröße. Alles was größter als 6,3 Zentimeter ist, heißt Stein. Sand sind Körnchen zwischen 2 und 0,063 Millimetern. Bauherren interessieren sich primär für die Struktur der Körnchen. Für die Herstellung von Beton eignet sich nur Meeressand: dieser ist im Unterschied zu Wüstensand kantig und haftet somit mit dem Zement. Dies ist der Grund dafür, dass selbst Wüstenstaat Dubai Sand importieren muss. Die hohe Nachfrage nach Sand gilt somit vor allem dem Meeressand. Und der übermäßige Verbrauch kann nicht lange anhalten.

Wie entsteht der Sand?

Sand entsteht durch die Verwitterung und Abtragung von Gesteinen in den Bergen und wird dann durch Flüsse Richtung Meer transportiert. Auf dem Weg sind die Körner mit allerlei Hindernissen konfrontiert: 845.000 Staudämme weltweit halten bis zu 25% des Sandes davon ab, jemals die Meere zu erreichen. Weitere 25% des Sandes fängt man schon an den Flussufern ab. Sand braucht 100 bis 1.000 Jahre, bis er das Meer erreicht. Hier warten dann sogenannte Schwimmbagger, die bis zu 600.000 Tonnen Sand am Tag fördern können. Danach transportiert man den geförderten Sand in die ganze Welt.

Wir haben zu wenig Sand

Gefahr Sand Problem Sandknappheit zu wenig Sand

Der Sand wird knapp. Laut einer Studie der UNEP₁ (United Nations Environment Programme) werden derzeit weltweit über 40 Milliarden Tonnen Sand verbraucht. Hauptverbraucher ist die Bauindustrie: Im Jahre 2012 wurde den Schätzungen zufolge knapp 30 Milliarden Tonnen Bausand für die Herstellung von Beton eingesetzt – genug Material, um rund um den Äquator eine 27 Meter hohe und 27 Meter breite Mauer zu bauen. Beton besteht neben Wasser und Zement zu 2/3 aus Sand. Bauwerke wiederum bestehen ebenfalls aus 2/3 aus Beton. Das erklärt, warum Bauprojekte erstaunlich viel Sand benötigen: Selbst ein durchschnittliches Einfamilienhaus verbraucht schon etwa 200 Tonnen Sand. In den letzten 30 Jahren ist die Sandnachfrage bereits um 360% gestiegen und sie wird – angetrieben von Bevölkerungswachstum und zunehmender Verstädterung – weiterhin wachsen.

Folgen von Sandabbau & Sandknappheit

Ohne Sand geht bei uns nichts. Sand wird zum Beispiel für die Herstellung von Jeanshosen und Glas benötigt. Und Sand befindet sich auch in unseren Smartphones, Computern (siehe auch Artikel Elektroschrott richtig entsorgen) und auch in Keramik-Erzeugnissen. Doch die hohe Nachfrage nach der Ressource Sand bleibt natürlich nicht folgenlos. Die globale Sandknappheit hat sowohl verheerende Folgen für Umwelt & Tierwelt, als auch für uns Menschen selbst.

Landverlust ist ein zunehmendes Problem des Sandabbaus. Weltweit sind 75% bis 90% der Strände auf dem Rückzug.

Gefahr Sand Problem Sandknappheit zu wenig Sand

Der enorme Sandabbau schwächt zudem die Infrastruktur, da damit die Fundamente von Brücken freilegt werden. Es gab bereits Zwischenfälle, bei denen Brücken deswegen eingestürzt sind. Der Sandabbau an Stränden und am Meeresboden beschädigt das gesamte Ökosystem Meer. Sandbagger zerstören nicht nur den Lebensraum von Meerestieren, sondern greifen auch in die Nahrungskette ein: Wenn der Sand abgebaut wird, geraten auch Kleinstlebewesen in den „Sauger“ – Lebewesen, die Nahrungsgrundlage für Meerestiere wie Plankton bis hin zu Delfinen sind.

Die zunehmende Knappheit macht den Sand immer teurer und hat inzwischen zum Boom des Schwarzmarktes geführt. In zahlreichen Ländern, die über Sandreserven verfügen, haben illegale Organisationen begonnen, Sand abzubauen und zu verkaufen – auf Kosten von Menschenleben. In Indien zum Beispiel tauchen Einheimische teils ohne Ausrüstung in 15m Tiefe, um Sand mit einem Metalleimer abzutragen.

Sandabbau Folgen im Überblick

Einige der Folgen des Sandabbaus und der Sandknappheit gibt's hier noch einmal zusammengefasst:

  • Die Fläche der Strände geht zurück
  • Der Sandabbau zerstört Lebensräume von Tieren
  • Wasserströmungen können sich verändern
  • Lebensgrundlagen für Meerestiere gehen verloren (z.B. die Korallen)
  • Kleinstlebewesen werden aufgesaugt und getötet
  • Die Existenzgrundlage vieler Menschen ist gefährdet (z.B. von Fischern)
  • Schwarzmärkte für Sand-Geschäfte entstehen
  • Durch den Sandabbau drohen Brücken einzustürzen

Sandknappheit durch Asiens Bauträume

„Wir bauen uns die Welt, wie sie uns gefällt.“ – So oder so ähnlich könnte man den Umgang reicher Länder, wie z.B. den der Vereinigten Arabischen Emirate, mit der Ressource Sand beschreiben. Obwohl die Sandförderraten in Europa und Nordamerika hoch sind, sind die größten Sandverbraucher die schnell wachsenden asiatischen Länder. Hier entstehen die Megastädte der Zukunft. Aus Sand. Dubai braucht Sand für den Bau von künstlichen Inseln, da dieser günstiger ist als Grundstücke auf dem Festland zu erwerben.

Dubai Sand Problem Sandknappheit zu wenig Sand

Und auch das Finanzzentrum Singapur hängt vom Sand an. Der Inselstaat ist nicht nur eins der bevölkerungsreichsten Staaten, auch beim Pro-Kopf-Sandverbraucht liegt Singapur auf Platz eins. Pro Einwohner sind 5,4 Millionen Tonnen Sand nötig.₂ Sand wird sowohl zur Landgewinnung als auch für den Bau von Wohnraum und infrastruktureller Einrichtung benötigt. Singapurs Fläche ist bereits 1/5 größer als zu Zeiten der Britischen Kolonie in den 1950er. Die Regierung unterstützt weitere Landgewinnungspläne, für die gigantische Mengen an Sand importiert nötig sind: Bis 2030 möchte es um weitere 100 km2 wachsen.

Hohe Nachfrage nach Sand in Singapur

Die Nachfrage nach Sand ist groß. Die Behörden des Stadtstaats können oder wollen die deutliche Diskrepanz in den Statistiken nicht erklären. Die Landgewinnung wird vor allem durch den massiven Import aus Malaysia, Kambodscha und Vietnam ermöglicht, die jedoch offiziell den Export wegen eigener Sandknappheit eingestellt haben. Das zeigen die Statistiken₃ von beispielweise Kambodscha auch: Während sie 2011 noch 377 Tausend Tonnen nach Singapur exportieren, reduzierte sich diese Menge auf 11 Tausend Tonnen in 2015. Singapurs Behörden melden jedoch weiterhin einen starken Sandimport aus Kambodscha.

Hinweis: Warum irritieren Länder der arabischen Halbinsel eigentlich überhaupt Sand aus anderen Ländern? Für den Bau neuer Gebäude und Flächen ist grober, ungeschliffener Sand nötig. Der Wüsten-Sand ist zu fein und zu rund. Deshalb müssen die Länder der arabischen Halbinsel Sand zu importieren.

Sand Recycling, Sand Alternativen und Maßnahmen

Die zunehmende Gefahr für Mensch und Natur durch den Sandabbau erfordert Maßnahmen und Alternativen. An der TU Wien wird beispielsweise untersucht, wie belastbar ursprüngliche Rohstoffe wie Lehm oder erneuerbare Materialen wie Holz oder Stroh sind. Testweise baute man ein Holz-Haus, welches mit Stroh gedämpft und mit Lehm verkleidet wurde, um zu beweisen, dass dies eine nachhaltige Baumethode ohne Sand sein kann. Eine andere Chance bietet das Recyclen von Bauschutt oder Glass. In Deutschland gibt es 50 Millionen Tonnen Bauschutt, von denen 80% recycelt werden können. Bei der Herstellung von Glas wird ebenfalls Sand genutzt. Beim Recyclen von Altgas bleiben Partikel zurück, mit denen wiederum Beton hergestellt werden kann.

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Neben alternativen Baumethoden können auch wir als Verbraucher unseren Umgang mit dem unerkannten Helden Sand überdenken und anpassen. Zum einen sollten wir die Gebrauchsdauer durch langfristiges Wiederverwenden von Produkten maximal ausnutzen und beim Kauf „neuer“ Gegenstände Gebrauchtwaren wählen. So produzieren wir weniger Waren und können Sand einsparen. Auch der Individualverkehr muss eingeschränkt werden, um weniger Straßen bauen und reparieren zu müssen. Um Erdöl als Antrieb für Autos (siehe auch Artikel Autofrei leben) nutzen zu können, wird es beim Fracking mithilfe von Sand abgebaut. Energiesparmaßnahmen sparen nicht nur Energie, sondern auch Sand ein – denn es werden so weniger Kraftwerke und Staudämme benötigt, die ja aus Beton und somit Sand gebaut werden.

Ja, wir haben ein Sand-Problem

Es gibt vorerst keine Anzeichen dafür, dass der Bauboom in naher Zukunft nachlassen wird. Die Auswirkungen auf Umwelt und Natur sind jedoch nachweislich drastisch. Wir benötigen dringend Alternativen und einen bewussten Umgang mit der Ressource Sand. Denn was wäre, wenn unsere Kinder am Strand keine Sandburgen mehr bauen können? Ich freue mich auf deine Fragen, Anregungen und eigenen Erfahrungen mit der Ressource Sand in den Kommentaren.

Bleib‘ sauber,

Christoph von CareElite - Plastikfrei leben

PS.: Im Umweltschutz Blog findest du noch viele weitere Beiträge über Ressourcen wie Sand oder z.B. auch Kork. Ein weiteres großes Umweltproblem ist der Plastikmüll in der Umwelt. Ich möchte dir helfen weniger Müll im Alltag zu produzieren und schenke dir deshalb mein Plastikfrei E-Book, das du dir hier kostenlos herunterladen kannst.

Quellenangaben:
₁ https://na.unep.net/geas/archive/pdfs/GEAS_Mar2014_Sand_Mining.pdf

₂ https://www.geo.de/natur/oekologie/865-rtkl-singapur-auf-sand-gebaut

₃ https://www.theonlinecitizen.com/2017/01/18/govt-downplays-large-gap-of-sand-import-and-export-of-cambodia-and-singapore

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Christoph Schulz

Ich bin Christoph, Umweltwissenschaftler und Autor - und setze mich hier bei CareElite gegen den Plastikmüll in der Umwelt, den Klimawandel und alle anderen großen Umweltprobleme unserer Zeit ein. Gemeinsam mit weiteren, umweltbewussten Bloggern will ich dir Tipps & Tricks für ein natürlich-gesundes, nachhaltiges Leben sowie deine persönliche Weiterentwicklung an die Hand geben.

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