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Nachhaltigkeit von Streaming – Wie umweltfreundlich sind Netflix und Co?

Nachhaltigkeit von Streaming: Sind Netflix & Co. umweltfreundlich?

Wie nachhaltig ist Streaming? Wenn du eine klare Antwort auf diese Frage suchst, bist du hier genau richtig! Das Internet und digitale Angebote verbrauchen Strom – das weiß jeder. Aber viel genau, wissen nur die Wenigsten. Vor allem das simultane Herunterladen und Wiedergeben von Video-Inhalten per Datenstrom, auf mit dem Internet verbundenen Geräten, wie Smart-TVs, Smartphones oder Computern, ist ein ökologisches Problem. Tatsächlich zählt das sogenannte Videostreaming zu den größten Stromfressern unserer Zeit.

In diesem Artikel möchte ich dir jetzt alles Wissenswerte über die Nachhaltigkeit von Streaming mit an die Hand geben. Du lernst Statistiken zum Stromverbrauch, die beliebtesten Streaming-Dienste, einen Vergleich zu anderen Branchen und nützliche Tipps kennen, mit denen du umweltfreundlicher streamen kannst. Auf geht's!

  1. Stromverbrauch
  2. Streaming-Dienste
  3. Im Vergleich
  4. Tipps
  5. Schlusswort

Wie viel Strom verbraucht Streaming?

Wie ist die Faktenlage? Über 221 Millionen Menschen weltweit nutzen den Streaming-Dienst Netflix. Allein in Deutschland sind es fast 10 Millionen – Tendenz steigend.₁

Und wahrscheinlich sind sich die wenigsten Nutzer darüber bewusst, was ein entspannter Serien-Marathon eigentlich für die Umwelt bedeuten kann. Um einen Film in gestochen scharfer 4K-Qualität zu streamen, sind zwischen 220 und 1000 Wattstunden Energie notwendig. Allein der direkte Stromverbrauch vom Streaming über Netflix soll 2018 51.000 MWh Strom betragen haben.₂

Aber das ist noch lange nicht alles: Zu den Energiekosten, die das Streaming selbst benötigt, kommt der Energieverbrauch, der durch die Speicherung der Filme auf gigantischen Serverfarmen entsteht. Somit kam Netflix im Jahr 2018 insgesamt auf einen Energieverbrauch von rund 245.000 Megawattstunden – und trägt damit massiv zum Klimawandel bei.

Zum Vergleich: Ein Haushalt mit 4 Personen verbraucht in Deutschland jährlich zwischen 2.600 und 5.000 Kilowattstunden. Allein mit dem Energievolumen von Netflix könnte man also zwischen 49.000 und 94.230 Haushalte in Deutschland oder 196.000 bis 376.920 Menschen 365 Tage mit Strom versorgen. 

Und Netflix ist nicht der einzige große Streaming-Dienst: Amazon Prime, AppleTV und Sky gibt es ja auch noch.

Die größten Streaming-Dienste auf einen Blick

Die Firmenzentrale des Streaming-Dienstes Netflix

Im nächsten Schritt möchte ich nun einen Blick auf die die größten Streaming-Dienste der Welt₃ werfen:

  • Amazon Prime: Das Streaming-Angebot von Amazon hat Netflix im Jahr 2022 vom Thron gestoßen: Mit 31 Prozent Marktanteil hat der Streaming-Riese Netflix überholt.
  • Netflix: Mit einem Marktanteil am Streamingmarkt von 30 Prozent ist Netflix nur noch der zweitgrößte Streaming-Anbieter weltweit. 
  • Disney+: Mit 18 Prozent der drittgrößte Streamingdienst ist Disney+. Es ist wahrscheinlich auch der Anbieter, den die wenigsten in seiner Größe wahrnehmen. 
  • Sky: Als einer der ersten Anbieter hält Sky seinen Marktanteil von etwa 7 Prozent konstant. 
  • AppleTV: Mit überraschend geringen 5 Prozent ist AppleTV am Streaming-Markt beteiligt. 

Angenommen, alle Streaming-Anbieter haben etwa den gleichen Stromverbrauch, kommt man – ausgehend von 245.000 MWh von Netflix mit 30 Prozent Marktanteil – auf einen globalen Gesamtstromverbrauch des Video-Streamings von 816.000 Megawattstunden pro Jahr! 

Um nochmal den Vergleich von oben aufzugreifen: Damit könnten…

  • 163.200 bis 313.868 4-Personen-Haushalte in Deutschland oder 
  • 652.800 bis 1.255.384 Menschen in Deutschland 

…für 365 Tage mit Strom versorgt werden. 

Und hierbei handelt es sich noch nicht um topaktuelle Daten, sondern Daten von 2018. Die aktuellen Verbrauchszahlen von Netflix und Co. dürften – spätestens seit der Corona-Krise – nochmal deutlich gestiegen sein.

CO2-Ausstoß im Vergleich: Streaming VS Flugverkehr & Fernsehen

Noch ist der Flugverkehr dem Streaming in Sachen CO2-Ausstoß voraus. Aber das kann sich ziemlich schnell ändern. Denn der gesamte Stromverbrauch in der IT-Branche entsprich laut Hochrechnungen₄ bereits dem CO2-Ausstoß des internationalen Flugverkehrs. Zieht man die Tatsache hinzu, dass etwa 80 Prozent des Datenverkehrs im Internet auf Videoinhalte zurückgehen₅, sind wir gar nicht mehr weit entfernt davon, dass Streaming beim CO2-Ausstoß mit dem internationalen Flugverkehr gleichzieht. 

An diesem Punkt stellt sich natürlich die Frage: Sind „alte“ Technologien, wie das Fernsehen oder DVDs eigentlich umweltfreundlicher als das Streaming?

Ist Fernsehen nachhaltiger als Streaming? 

Die Antwort ist ziemlich eindeutig: JA. Denn über das Fernsehen schauen Millionen von Menschen einen Film über eine einzige Übertragung. Beim Streaming würde jedes einzelne Gerät eine eigene Übertragung auslösen. Dadurch schießt die Menge des Datentransfers und der Stromverbrauch millionenfach in die Höhe. 

Und DVDs? Auch Filme auf Datenträgern sind deutlich umweltfreundlicher als Streaming über das Internet. Denn obwohl für die Produktion der physischen Datenträger natürlich auch Energie aufgewendet werden muss, können Filme auf DVDs dennoch viele Male angesehen oder gar an Freunde und Familie weitergegeben werden. Ganz im Gegensatz zu Streaming-Inhalten. Jedes erneute Aufrufen eines Films erzeugt wieder die gleiche Menge Stromverbrauch und CO2-Ausstoß. 

Nur ist es eben weniger komfortabel, statt aus Tausenden von Filmen und Serien „nur“ aus rund 100 Fernsehsendern oder DVDs auswählen zu können. Genau aus diesem Grunde ist Streaming ja so beliebt. 

Was tun? 5 Tipps, um die Nachhaltigkeit von Streaming zu erhöhen

Tipps, um Streaming nachhaltiger zu machen

Lässt sich die Nachhaltigkeit von Streaming irgendwie verbessern? Auch, wenn Fernsehen und DVDs schauen umweltfreundlicher ist, möchten viele Menschen sicher nicht auf das bequeme Streaming On Demand verzichten. Doch was können wir tun, um Streaming wenigstens so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten? Die folgenden Tipps leisten ihren Beitrag!

1. Ökostrom nutzen

Ökostrom wird aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen. Finde also heraus, ob dein Stromanbieter auch Ökostrom anbietet – und falls nicht, solltest du zu einem grünen Stromanbieter wechseln. Keine Sorge: Die Preise unterscheiden sich im Regelfall nicht.

Tipp: Ökostrom ist übrigens auch ein wichtiger Faktor für die Nachhaltigkeit von Websites. Mit Klick auf den verlinkten Beitrag erfährst du mehr über grünes Webdesign und wie du deine Webseite umweltfreundlicher gestalten kannst.

2. Videoqualität verringern

Die höchste Videoauflösung ist meistens gar nicht nötig – und dennoch häufig automatisch eingestellt. Gerade auf kleinen Bildschirmen wie Smartphones oder Tablets brauchst du jedoch gar keine HD-Auflösung! Schraube daher einfach die Videoauflösung in den Geräteeinstellungen, dem Videoplayer oder (falls möglich) den Kontoeinstellungen deines Streaming-Anbieters herunter. So kannst du selbst positiv zur Nachhaltigkeit von Streaming beitragen.

3. Klimafreundliches Glasfasernetz

Streaming ist nicht gleich Streaming – auf die Netzqualität kommt es an! Streaming über eine 3G-Internetverbindung ist etwa deutlich umweltschädlicher als Streaming über das hochmoderne Glasfasernetz. Versuche dich also dementsprechend bevorzugt über dein W-LAN mit dem Internet zu verbinden, anstatt über das mobile Internet zu surfen.

Tipp: Mehr Ratschläge zu nachhaltigem Surfen im Internet erhältst du im verlinkten Beitrag!

4. Kleineren Bildschirm verwenden

Auf einem kleineren Bildschirm brauchst du nicht nur eine geringere Auflösung, damit das Bild scharf ist, sondern hast auch weniger Pixel, die ausgefüllt werden. Je weniger Pixel dein Bildschirm hat, desto weniger Energie verbraucht also auch das Streamen! 

Wenn du kein Problem mit kleinen Bildschirmen hast, solltest du in Erwägung ziehen, statt auf dem Fernseher nur noch auf dem Laptop oder Smartphone zu streamen.

5. Musikstreaming auf Spotify statt YouTube

Wenn du viel Musik über YouTube hörst, solltest du dir überlegen, auf einen Musik-Streaming-Dienst wie Spotify umzusteigen. Denn bei YouTube wird grundsätzlich neben der Tonspur auch das Bild geladen (und nicht einmal angesehen) – und das verbraucht viel mehr Strom als das Streamen einer Audio-Datei. Wenn das keine Option für dich ist, solltest du zumindest auch hier die Videoqualität möglichst weit runterschrauben, um die Nachhaltigkeit von Streaming zumindest etwas zu verbessern.

Bonus-Tipp Lieblingsfilme und -serien downloaden: Es gibt Serien, von denen du einfach nicht genug bekommen kannst? Filme, die du immer und immer wieder anschaust, ohne dass sie langweilig werden? Wenn ja, dann solltest du diese Filme oder Serien einmalig downloaden, um sie nicht immer neu streamen zu müssen. Alternativ – und wenn du ein bisschen Retro drauf bist – kannst du dir ja auch eine DVD kaufen.

Ist Streamen also schlecht für die Umwelt?

Sind Streaming-Dienste umweltfreundlich oder nicht?

Die Antwort ist ernüchternd und gleichzeitig eindeutig: Ja, Streaming ist ziemlich umweltschädlich, weil es große Mengen an Energie verbraucht und CO2 ausstößt. Und das immer und immer wieder. Im Prinzip ist ein gestreamter Film das Einwegprodukt unter den digitalen Inhalten.

Betrachtet man zudem noch die Tatsache, dass es sich beim Streamen auf Netflix und Co „nur“ um Unterhaltung handelt, und nicht etwa eine „Energieinvestition“, die das Land, die Wirtschaft und die Welt voranbringt, erscheint der extreme Aufwand an natürlichen Ressourcen geradezu absurd. Videokonferenzen über Anbieter wie Zoom, Google Meet oder Microsoft Teams sind zwar ebenso ressourcenintensiv, aber dienen zumindest hauptsächlich Bildungs- und Arbeitszwecken. 

Mit den im Artikel beschriebenen Tipps kannst du den Energieverbrauch deines Streamings zumindest etwas reduzieren. Jedoch solltest du grundsätzlich hinterfragen, inwiefern Streaming wirklich notwendig ist oder ob du deinen Streaming-Konsum nicht doch etwas einschränken kannst. Bestenfalls verzichtest du natürlich ganz auf Streaming.

Ich hoffe, dass ich dich mit diesem Beitrag für die Umweltauswirkungen von Streaming sensibilisieren und dich zu nachhaltigerem Video-Konsum ermuntern konnte. Hast du Fragen, Anregungen oder weitere Tipps parat? Dann freue ich mich auf deinen Kommentar.

Bleib‘ nachhaltig,

Tara

PS.: Neben Streaming-Anbietern sind auch Smartphones kaum noch aus unserem Alltag wegzudenken. Wie du möglichst nachhaltig telefonieren oder einer Handysucht entgegenwirken kannst, erfährst du jetzt in den nächsten Blog-Artikeln.

Quellenangaben:
₁ H. Könitzer: Aktuelle Netflix Nutzerzahlen in Deutschland und weltweit (Stand: 25.04.2022), abrufbar unter https://championstream.de/netflix-nutzer. [25.11.2022].

₂ Watson: Der Stromverbrauch von Netflix hat sich 2019 fast verdoppelt (Stand: 11.02.2020), abrufbar unter https://www.watson.ch/digital/energie/607817413-der-stromverbrauch-von-netflix-hat-sich-2019-fast-verdoppelt. [25.11.2022].

₃ C. Immer: Marktanteile der Streaming-Dienste – Das ist die neue Nummer Eins (Stand: 26.04.22), abrufbar unter https://onlinemarketing.de/cases/marktanteile-streaming-dienste-neue-nummer-eins. [25.11.2022].

₄ A. Grüneberg: Internetnutzung verursacht fast so viel CO₂ wie Flugverkehr (Stand: 27.12.2021), abrufbar unter https://www.rnd.de/wirtschaft/klimaschutz-internetnutzung-bei-co-ausstoss-fast-gleichauf-mit-flugverkehr-warum-CVT7IG35EBCLPFOFSDV75J3RI4.html. [25.11.2022].

₅ M. Hauck: Das nächste Video besser über Glasfaser streamen (Stand: 10.09.2020), abrufbar unter https://www.sueddeutsche.de/digital/streaming-klima-studie-1.5027701. [25.11.2022].

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Tara Hanke

Tara Hanke ist Spezialistin für nachhaltiges Webdesign und SEO. Als Freelancerin hilft sie Unternehmen und Selbstständigen, online mit ihrem Angebot sichtbar zu werden und gleichzeitig die Umwelt zu schonen. Auf ihrer Website tarahanke.com veröffentlicht sie außerdem regelmäßig Insights zu Nachhaltigkeit in der digitalen Welt sowie SEO- und Onlinemarketing-Tipps.

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