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Toxische Positivität und erzwungener Optimismus

Toxische Positivität – Was steckt hinter erzwungenem Optimismus?

Du willst alles über toxische Positivität wissen? Dann bist du hier genau richtig! „Kopf hoch, es wird schon besser“ oder „Du musst NUR positiv bleiben“ – wie oft hast du dich wegen irgendeiner Sache schlecht gefühlt und von anderen Menschen einen dieser Sprüche gehört? Ich bin mir sicher, ziemlich häufig.

Und obwohl du dir bewusst bist, dass eine positive Einstellung eigentlich gut für dich ist, haben dir diese vermeintlichen Mutmacher überhaupt nicht geholfen. Ganz im Gegenteil! Danach hast du dich völlig mies gefühlt und hattest sogar ein schlechtes Gewissen, weil du so undankbar und negativ bist. Doch was ist der Grund dafür? Liegt es an dir? Eigentlich nicht!

Dieses Phänomen ist schon eine Weile bekannt und wird als toxische Positivität (toxic positivity) bezeichnet. Was das bedeutet, wie Positivität „giftig“ sein kann, wie man sie erkennt und wie man mit ihr umgeht, enthülle ich dir in diesem Artikel.

Vorab findest du hier schon eine kurze Übersicht:

  1. Definition
  2. Merkmale
  3. Was tun?
  4. Schlusswort

Was ist toxische Positivität?

Was genau ist toxische Positivität?

Die offizielle Definition von The Psychology Group definiert toxische Positivität als „die übermäßige und ineffektive Übergeneralisierung eines glücklichen, optimistischen Zustands in allen Situationen“.

Das bedeutet, dass uns täglich „serviert“ wird, dass negative Gefühle und negative Gedanken nicht erlaubt sind, dass in jedem Moment von uns erwartet wird, dass wir ständig bei guter Laune sind und auch wenn etwas Schlechtes passiert, dass sich durch positives Denken einfach alles regeln wird.

Und ja, eine positive Lebenseinstellung kann sehr gut für uns sein, aber das allein kann kaum ein größeres Problem lösen. Was aber daran besonders toxisch ist, ist die Tatsache, dass wir uns häufig noch schlimmer fühlen, weil wir es nicht schaffen, „die gute Seite in jeder Situation zu sehen!“.

Warum ist toxische Positivität so schlecht für uns?

Die eigenen Gefühle zu ignorieren und zu unterdrücken, kann ja nicht positiv für uns sein. Auch wenn es die sogenannten negativen Gefühle sind, können sie eigentlich gut für uns sein.

So kann uns zum Beispiel Angst davor zurückhalten, an einer gefährlichen Gelegenheit teilzunehmen. Trauer hilft uns, Verlust zu akzeptieren. Sogar Wut und Zorn sollte man nicht unterdrücken.

Unterdrückte Gefühle werden in keinem Fall verschwinden, wir können sie nur für eine Weile verbergen, aber in einem Moment werden sie plötzlich wieder auftauchen. Und wie es so oft ist, wird es in dem schlimmstmöglichen Moment passieren und wird nur noch mehr Probleme verursachen.

Hast du vielleicht schon mal erlebt, dass du auf einen Freund oder eine Freundin wütend warst, aber nicht darüber reden wolltest? Und dann triffst du dich mit deinem Partner/Partnerin, er/sie macht einen schlechten Scherz, du kannst es nicht mehr aushalten und all die Wut, für die eigentlich dein Freund/Freundin verantwortlich ist, entlädt sich auf deinen Partner, der kaum versteht, worum es überhaupt geht.

Und was hast du in diesem Fall bekommen? Du bist immer noch wütend, aber jetzt ist auch möglich, dass es noch dazu zu einem Streit mit deinem Partner oder deiner Partnerin kommt.

Dieses Beispiel ist nur banal, aber gerade weil jeder von uns schon mal so etwas erlebt hat, kann man daraus gut lernen, was mit unterdrückten Gefühlen passiert.

Der zweite Grund, warum toxische Positivität schlecht für uns ist, ist die schon erwähnte Tatsache, dass wir uns noch schlimmer fühlen, weil wir ständig unter Druck sind, positiv zu sein, aber diese Erwartungen nicht erfüllen können.

Wie erkennt man toxische Positivität?

Woran kann man toxische Positivität erkennen?

Wenn du dir nicht sicher bist, was der Unterschied zwischen richtigem Optimismus und dieser Happiness-Lüge ist, können dir diese Beispiele dabei helfen.

1. Vorwürfe statt Rat

Hast du schon mal erlebt, dass du anderen Menschen von deinen Probleme erzählst, in der Hoffnung, einen guten Rat zu bekommen – aber schlussendlich eigentlich nur Vorwürfe und Schuldzuweisungen hörst?

Dir wird gesagt, dass du alleine Schuld für deinen Zustand hast oder dass du nicht dankbar genug bist, für all die anderen Dinge im Leben, die du hast. Gerade das ist ein typisches Merkmal der toxischen Positivität.

Anstatt Hilfe zu bekommen, wirst du wahrscheinlich in solch einer Situation einfach das Vertrauen in diese Person verlieren. Und beim nächsten Problem, wirst du dann mit anderen Menschen darüber reden.

2. Negative Vergleiche

Sich das Worst-Case-Szenario vorzustellen, ist eine Technik, die häufig benutzt wird, wenn man eine Entscheidung treffen muss. In diesem Fall kann es eigentlich ziemlich gut sein, zu wissen, was das Schlimmste ist, was dir passieren könnte.

Wenn du aber eine schwere Zeit durchmachst und dir jemand sagt, dass es noch schlimmer sein könnte und deine Situation mit dem Worts-Case-Szenario vergleicht oder einfach mit einer schlimmeren Situation, die er oder jemand anders erlebt hat, hilft dir das eigentlich nicht und ist keine Lösung für deine Probleme.

Ja, in den meisten Fällen kann es auch noch schlimmer kommen. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass nicht auch deine Probleme schlimm sind. Lass nie zu, dass dich jemand davon überzeugt, dass deine Probleme nicht wichtig genug sind, weil andere mit noch Schlimmerem kämpfen müssen.

3. Fehlende Empathie

Es ist nicht immer leicht, die Probleme der anderen Menschen zu verstehen. Das, was für den einen das Ende der Welt bedeutet, kann für andere nur eine Kleinigkeit sein.

Die meisten von uns können aber zumindest versuchen, den Standpunkt der anderen Menschen zu verstehen, um sich sozusagen in ihre Lage hineinzuversetzen. Toxisch positive Menschen machen das aber nicht. Ihre Weltsicht ist äußerst egozentrisch und ihr einziges Thema sind sie selbst.

Wie sich das äußert? Hier sind zwei Beispiel-Sätze:

  • „An deiner Stelle würde ich nicht so undankbar sein.“
  • „Ich weiß überhaupt nicht, worüber du dich beklagst, ich würde in deiner Situation so oder so damit umgehen.“

Hast du das vielleicht schon Mal von jemandem gehört? Glaubst du, dass diese Person wirklich eine positive Lebenseinstellung hat oder eher, dass es ihr an Empathie fehlt?

4. Leere Phrasen

Toxisch positive Menschen benutzen auch gerne Phrasen, die vielleicht auf den ersten Blick tiefgründig wirken, aber eigentlich nicht wirklich hilfreich sind.

  • „Kopf hoch, wird schon besser.“
  • „Was dich nicht umbringt, macht dich stärker.“
  • „Good vibes only.“
  • „Niemals aufgeben.“
  • „Du musst nur lächeln und bald wirst du dich wirklich gut fühlen.“

Ja, aufmunternde Sprüche sind in einigen Situation willkommen. Doch wenn sie zusammen mit einem richtigen Rat kommen, sind sie wesentlich effektiver.

Wenn jemand an einer Krankheit leidet, können wir ihm nicht einfach sagen, dass das alles nur in seinem Kopf ist. Ebenso, wenn jemand eine wichtige Person verliert, kann man nicht sagen, dass alles wieder gut sein wird.

Sein Leben wird nie mehr gleich sein und dieser Verlust wird für immer ein Teil von ihm sein. Diese Tatsache zu ignorieren, wird den Schmerz nur verlängern.

5. Das perfekte Bild

Es ist unmöglich über toxische Positivität zu reden und nicht soziale Medien zu erwähnen. Wir alle wissen ja, dass derartig inszenierte Fotos kaum etwas mit der Realität zu tun haben. Im „echten“ Leben gibt es keine Filter! Dennoch erlauben wir solchen Fotos, uns von Zeit zu Zeit zu beeinflussen.

Wir selbst wählen die besten Fotos und passende Sprüche für unsere Social-Media-Profile, den WhatsApp-Status und die Hashtags, aber wenn wir uns selbst unwohl fühlen und ähnliche Posts von anderen Menschen sehen, glauben wir, dass diese der Wahrheit entsprechen und dass es allen anderen besser geht als uns.

Wir fühlen dann diesen Druck, unser eigenes Leben perfekt zu gestalten oder zumindest es so zu präsentieren. Und so geraten wir in einen Teufelskreis – wir stehen unter dem Druck, perfekt zu leben und positiv zu sein, aber mit unserem Beispiel setzen wir auch andere Menschen unter Druck.

Kann das sein? Wärst du bereit, die Komfortzone zu verlassen oder gehörst du selbst auch zu den toxisch positiven Menschen?

Bin ich toxisch positiv?

Wenn du auch selbst nur über die guten Seiten deines Lebens redest und postest, wenn du häufig anderen sagst, dass sie nur positiv denken sollten und alles wird gut oder dass sie dankbarer sein sollten, kann es sein, dass auch du selbst positiv toxisch bist.

Ich bin mir sicher, du hattest das nicht vor und gerade das ist die Falle der toxischen Positivität: Häufig stehen ausschließlich gute Absichten dahinter!

Die gute Nachricht aber ist, dass es möglich ist, diese giftige Positivität zu durchbrechen.

Wie kann ich mich von toxischer Positivität befreien?

Was tun gegen toxischen Optimismus?

Der wichtigste Schritt, um sich von toxischer Positivität zu befreien, ist seine eigenen unangenehmen Gefühle zu erlauben und akzeptieren. So leicht ist es eigentlich.

Versuche nicht, deine negativen Gedanken und Gefühle zu verbergen oder zu unterdrücken. Ja, es wird schmerzhaft sein und ja, es wird nicht leicht sein. Doch irgendwann musst du dich sowieso mit ihnen auseinandersetzen.

Nur so wirst du die Gelegenheit haben, deine Situation zu verarbeiten und weiterzumachen. Danach hast du dann immer noch genügend Zeit für positives Denken und „good vibes only“. 😉 Bis es dazu kommt, können dir diese Schritte helfen.

Wie soll ich mit negativen Gefühlen umgehen?

Wenn du deine eigenen Gefühle akzeptiert hast, auch wenn sie unangenehm sind, gibt es noch ein paar Dinge, die du tun kannst und solltest.

Rede darüber!

Den Teufelskreis der toxischen Positivität kann man nur beenden, wenn man anfängt, offen über die negativen Gefühle und Zustände zu reden. Ich bin mir sicher, du hast einige Personen im Leben, denen du 100 Prozent traust und die dir gerne helfen werden. Rede mit ihnen, sag ihnen alles über deine Probleme.

Wenn ein Gespräch mit deinen Mitmenschen nicht hilft, hast du immer noch die Möglichkeit, einen Experten aufzusuchen. Ein Psychologe oder Therapeut kann dir helfen, deine Probleme zu akzeptieren und zu lösen.

Auf der anderen Seite, wenn du derjenige oder diejenige bist, dem/der sich jemand öffnet, spiele die negativen Gefühle deines Gegenübers nicht runter. Du hast keinen guten Rat? Dann kannst du zumindest sagen, dass du verstehst, wie schwer es dieser Person geht und dass es okay ist, sich unwohl zu fühlen und dass sie sich jederzeit bei dir melden kann.

Finde ein gesundes Ventil!

Noch eine Art, wie man mit negativen Emotionen umgehen kann, ist sie in eine Aktivität zu kanalisieren. Je nach deinen Talenten und Fähigkeiten kannst du die beste Version von dir sein. Einigen Menschen hilft es zu schreiben. Es kann ein Tagebuch sein, Briefe, Poesie oder gar ein Blog. 😉

Andere Menschen finden eine andere kreative Form, ihre Gefühle zu äußern, wie zum Beispiel Malen, Basteln oder irgendeine andere Art von Handwerk.

Wenn du nicht besonders kreativ bist, kann auch Sport treiben ein sehr gutes Ventil sein. Würdest du lieber deine negativen Emotionen durch Schwitzen beim Laufen oder Boxen loswerden oder denkst du, dass Yoga eine bessere Wahl für dich ist?

Egal, wofür du dich entscheidest, es wird besser sein, als Gefühle zu unterdrücken und verheimlichen.

Tipp: Apropos Sport! Vielleicht ist auch das Plogging etwas für dich. Dabei gehst du joggen und sammelst gleichzeitig Plastikmüll aus der Umwelt. Probier's Mal aus!

Toxische Positivität erkennen und darüber sprechen!

Mit anderen über toxische Positivität sprechen

Manchmal ist sie die Folge fehlender Empathie und einer egozentrischen Lebenseinstellung – und ein anderes Mal ist schnell dahingesagt und überhaupt nicht böse gemeint. Toxische Positivität ist definitiv ein Bestandteil unseres Lebens.

Egal, ob wir diejenigen sind, die sie verbreiten oder die ihretwegen leiden. Mit diesem giftigen Optimismus sollte man wie mit jeder anderen toxischen Beziehung umgehen: man muss sie aufgeben.

Ja, wahrscheinlich wird alles wieder gut sein! Es ist aber auch völlig okay, dass unser Leben nicht in jedem Moment gut oder gar perfekt ist. Es ist okay, sich schlecht und mies zu fühlen, es ist okay, wütend, traurig oder enttäuscht zu sein.

Du musst nicht immer lächeln – ehrliche Unzufriedenheit ist für dich selbst und deine Umgebung viel besser als erzwungene Freude!

Bleib‘ positiv,

Christoph von CareElite - Plastikfrei leben

PS.: Ein paar leere Phrasen helfen nicht dabei, negative Gedanken loszuwerden. Doch es gibt viele hilfreiche Tipps, um ein mögliches Gedankenkarussell zu stoppen. Im verlinkten Artikel lernst du sie jetzt kennen.

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Christoph Schulz

Ich bin Christoph, Umweltwissenschaftler und Autor - und setze mich hier bei CareElite gegen den Plastikmüll in der Umwelt, den Klimawandel und alle anderen großen Umweltprobleme unserer Zeit ein. Gemeinsam mit weiteren, umweltbewussten Bloggern will ich dir Tipps & Tricks für ein natürlich-gesundes, nachhaltiges Leben sowie deine persönliche Weiterentwicklung an die Hand geben.

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